Diskussionsforum der stw-boerse: Strategiediskussionen: Strategie Al Sting
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al_sting - Dienstag, 17. April 2018 - 13:21
Danke!
Und ja, das war eines meiner Auswahlkriterien. Ich will es derzeit defensiver angehen, zumindest was die großen Indizes angeht.

al_sting - Samstag, 2. Juni 2018 - 10:27
Der Mai ist vorbei, die Sommerpause kommt - vom Wetter gesehen ist der Sommer schon seit geraumer Zeit sehr präsent.
Mein Eindruck vom bisherigen Jahr: Die Börsen wissen nicht recht, wohin sie wollen. Mein Depot steht nach fünf Monaten wieder auf dem Nullpunkt, der DAX nur unwesentlich darunter. Die Gewinne des Januar sind komplett weg, die Verluste des Februar aber auch.
Meine "Schreckreaktion" im Februar, schnell Cash anzusammeln, erwies sich als unglücklich getimed - der damals mit soliden Verlusten in wenigen Wochen Haltezeit verkaufte Wert DNOW hat seitdem über 50% zugelegt.
Weitere Kurs-Sorgenkinder sind Svenska Handelsbanken (im Gleichschritt mit den anderen schwedischen Banken) sowie MollerMaersk, deren Geschäft nicht recht in Schwung kommt und die jetzt die steigenden Ölpreise ihren Kunden als "Öl-Zuschlag" auf die Frachtraten weitergegeben haben.
Es bleibt abzuwarten, ob und wie sehr BMW und die anderen Autohersteller unter dem aufziehenden Handelskrieg mit den USA leiden, und ob MutuiOnline unter wirtschaftlichen Unsicherheiten in Italien leidet - aber Risiken gibt es derzeit eh allerortens.

Ich habe versucht, meine "Wetten" gut nach Branchen und Regionen zu verteilen und damit die Risiken zu streuen. Nun heißt es für mich Ruhe bewahren, abwarten und die Entwicklungen im Auge behalten. Und wenn ich mir die derzeit eher gebremste Forenaktivität anschaue, bin ich damit in guter Umgebung.

levdul1 - Sonntag, 3. Juni 2018 - 10:20
Die gebremste Forumsaktivität ist sicherlich auch dem guten Wetter zu zu schreiben, welches eher dazu verlockt in den Baggersee zu springen, als vor dem Rechner zu sitzen.

Ein Wert, den ich mir gerade anschaue ist Air-France - KLM. Die Fundamentaldaten und der Chart sehen grauenvoll aus. Allerdings ist der Buchwert mittlerweile unter 1 und das geschätzte KGV für die nächsten beiden Jahre beträgt 4,8 und 3,9.

Wenn die Lufthansa Rekordgewinne schreibt, dann muss auch für Air France in dem Markt etwas zu holen sein. Und ich glaube nicht, dass unter Macron die nationale Fluglinie pleite geht.

prof - Sonntag, 3. Juni 2018 - 13:39
Levdul hat bei mir Recht: Ich habe einige Tage am Cospudener See bei Leipzig Urlaub gemacht. Außerdem korreliert meine Forumsaktivität stets auch etwas mit meinem aktuellen Anlageerfolg. ;-)

Ich für meinen Teil sehe den Euro langsam aber sicher den Bach heruntergehen. Oder es wird noch ein Vielfaches an deutschem Geld gen Süden gepumpt. Beides dürfte der deutschen Wirtschaft nicht gut tun und demzufolge werde ich meinen prozentualen Anteil an Nicht-Euro Investitionen weiter erhöhen.

al_sting - Sonntag, 1. Juli 2018 - 17:32
Q2-Abrechnung:
Depot - 4,1% (Q1: 1-2,9%)
versus DAX: -4,7% (Q1: -6,4%)
Outperformance zum DAX: 0,6%.

Kurz in Worten: Dieses Quartal lief nicht sonderlich gut. Ich habe meine Verluste ausgebaut, ich war im Quartal schlechter als der DAX - alles nicht berauschend. Ich liege leicht in den Miesen sowie minimal vor dem DAX, also mit Potential nach oben.

Das letzte Quartal war relativ ruhig, und die neugekauften Werte haben sich bis auf Tesla nicht relevant bewegt.
BMW und insbesondere MollerMaersk dürften unter dem politischen Klima leiden, also dem sich entwickelnden Handelskrieg mit den USA unter Trump.
Insbesondere MoellerMarsk läuft schlecht, mittlerweile riss auch die Schwelle von 30%. Aber da ich das Geschäftsmodell nicht beschädigt sehe und die Stimmung über Gebühr negativ beeinflusst ist, halte ich den Wert bis auf Weiteres.

Ich habe generell den Eindruck, derzeit ist mehr Ruhe angebracht - was ich auch erst lernen muss. Mittelfristig will ich den Autosektor bis auf max. 20% aufstocken, aber das eilt nicht.

Lesetipp zum Thema, von MMI abgeschrieben: Eine recht interessante "Gebrauchsanweisung", wie man Langfristanleger werden kann. http://www.brandes.com/docs/default-source/brandes-institute/2018/ten-ideas-to-foster-long-term-investing-whitepaper.pdf
Ich selber werde recht vielen Punkten (noch?) nicht gerecht, aber ich sehe mich auch eher als mittelfristiger Anleger.

al_sting - Freitag, 28. September 2018 - 20:53
Q3-Abrechnung:
Depot + 2,9% (Q1:-2,9%; Q2:-4,1%)
versus DAX: -5,4% (Q1:-6,4%; Q2_-4,7%)
Outperformance zum DAX: 8,8%

Dieses Quartal hat sich unter dem Strich beim DAX wenig getan. Hingegen hat sich mein Depot sehr erfreulich erholt und steht jetzt wieder bei einer schwarzen Null.
Erfolgsträger des Depots waren in diesem Quartal, (ich meine erstmalig) Werte aus der Exoten-Rubrik "Besondere Positionen". Einerseits die Sommerwette um Borussia Dortmund und andererseits der Tesla-Put (der meine Verluste bei anderen Autowerten zum Glück überkompensiert), dort insbesondere der Nachkauf im August. Ebenso ungewöhnlich ist, dass beide Erfolgspositionen zum Kaufzeitpunkt einen "Chart-Rüffel" von Prof erhielten.
Aber das passt. Nach meiner Wahrnehmung ist dieses Jahr bislang weder "Value-freundlich" noch "Chart-freundlich". Mein dritter Erfolgsträger des Quartals war der Wachstumswert MutuiOnline, der nach guten Halbjahreszahlen ein neues ATH erreicht hat.

Meine Auswahl günstig bewerteter Value-Werte hingegen hat in diesem Jahr bestenfalls stagniert. Trotzdem (oder gerade deshalb) geht mein Augenmerk besonders in diese Richtung, schließlich dauert kein Trend ewig, und ich mag Aktienschnäppchen.

Während ich in den letzten Jahren und auch noch vor einem halben Jahr viel über den überteuerten Aktienmarkt klagte, finde ich unter deutschen und europäischen Schwergewichten mittlerweile erstaunlich viele wirklich günstig bewertete Aktien.
Für mich bedeutet das, dass auf Europas große Firmen entweder reihenweise in der näheren Zukunft existenzielle Probleme zukommen - oder aber dass der Aktienmarkt in seiner Begeisterung für US-IT-Werte die guten alten "Oldschool-Industrien" aus Europa derzeit sträflich vernachlässigt.
Ich tippe auf die zweite Option und werde deshalb zunehmend bullish für den DAX. In der nächsten Zeit will ich daher meine defensive Haltung beenden, mich bei deutschen und europäischen Dickschiffen verstärken und dafür meine Cashquote massiv reduzieren.

Das jährliche Performanceziel "DAX+5%" hätte mein Depot mittlerweile wieder souverän eingelöst, von dem Ziel "10-15% Jahresrendite" hingegen ist es noch ein gutes Stück entfernt. Aber nach den zwei blendenden Vorjahren war und bin ich in diesem Jahr eh bewusst defensiver unterwegs, daher würde mich auch die aktuelle schwarze Null zufriedenstellen.

prof - Sonntag, 30. September 2018 - 15:32
Gratulation zum Turnaround bei konstant negativem DAX. Wenn das so bis zum Jahresende weitergeht, hast Du wieder einen weiteren Schritt zur Outperformance des DAX gemacht.

Bei regionalen Ausrichtung sind wir ja augenblicklich recht gegensätzlicher Ansicht. Das ist nicht besonders angenehm, da ich lieber mit Dir in einem Boot sitze.

Viel Erfolg weiterhin!

al_sting - Mittwoch, 3. Oktober 2018 - 22:08
Ich lese MMIs Gedanken und Kommentare immer gerne und mit viel Gewinn, ob bei antizyklisch-investieren oder in seinem Blog value&opportunity.
MMI orientiert und reibt sich gerne and Warren Buffet, mal analytisch, mal bewundernd,mal kritisch.
So auch wieder in seinem letzten Blogeintrag "Performance review 9M 2018 – Comment “Anti Buffett or Beyond Buffett?“"
http://valueandopportunity.com/2018/10/03/performance-review-9m-2018-comment-anti-buffett-or-beyond-buffett"

Darin stellt er diese These über die Gruppe der Value-Anleger auf:
"I think this comment implies 2 important parts that I here often within the “Value Investing” community:
1. Only “Buffett” like investments are good investments
2. Only “Value investing” is good investing"

um diese These dann kräftig zu zerlegen, gerade im Vergleich zu Venture-capital-Anlegern (ich würde das auch generell auf viele Wachstums-Anleger erweitern):
"Although many “value investors” would wrinkle their nose at them, I do think that especially (good) Venture Capital investors do think much more long-term and business like than most value investors that I know. An early stage VC is stuck with his investments for at least 7-10 years and normally has no chance to trade out of an investment. There are no historical numbers, only the people who run the venture. This makes investing very forward-looking."

Ich stimme MMI darin zu, dass VC-Anleger wesentlich tiefer die Unternehmen analysieren als die meisten value-Anleger. Aber ich denke auch, dass MMI die Attraktivität des value- und deep-value-Stil des frühen Warren Buffet für viele Privatanleger missverstanden hat. Er hat deshalb m.E. versehentlich erst falsche Pappkameraden aufgestellt, die sich dann umso einfacher zerlegen ließen.

Ich sehe mich nach wie vor stark im value- bis deep-value-Lager verankert. Und zwar weil Privatinvestoren hier m.E. strukturelle Vorteile gegenüber professionellen Anlegern wie VC-Investoren haben, die MMI wahrscheinlich nicht einmal bewusst sind.
Daher hier eine etwas anders aufgebaute Erwiderung, die ich zugleich als allgemeine Diskussionseinladung an das Forum ansehe.

1. Intelligenz (IQ): Soweit ich weiß, ist die Finanzbranche an hochintelligenten Menschen interessiert und sieht das (mehr oder weniger offensv) als ein Selektionskriterium. Sicherlich, sie greift auch mal daneben, aber dem durchschnittlichen professionellen Analysten traue ich einen hohen IQ zu, einen höheren IQ als dem durchschnittlichen Privatanleger.
Hier sehe ich also einen strukturellen Vorteil für professionelle Anleger.

2. Analysetiefe und Unternehmenszugang: Ein professioneller Analyst sollte in Studium und Ausbildung on the Job verschiedene "Werkzeuge" zur erfolgreichen Unternehmensanalyse erlernt haben, während viele Privatanleger als Autodidakten einsteigen. (Mit professionellen Analtikern meine ich hier nicht Banken-Sell-side-Analtiker, sondern eher solche für Private Equity oder VC-Investoren, die bei Interesse mit "skin in the game" einsteigen wollen.)
Dieser wird dadurch verstärkt, dass Profis mit viel Geld dahinter einen besseren Zugang zu den handelnden Personen der Unternehmen haben, also mehr Informationen in die Analyse einfließen lassen können als der klassische "Armchair-Investor".
Ich sehe also auch in der Analysetiefe und -qualität strukturelle Vorteile für professionelle Anleger.

Aus diesen beiden Punkten stimme ich MMI nachdrücklich zu, dass professionelle Anleger das Geschäftsmodell und die langfristigen Entwicklungsperspektiven von Unternehmen oft besser verstehen und einschätzen können als Privatanleger.
Für mich bedeutet das zweierlei:
A. Ich erwarte nicht, dass ich die tiefgreifendsten Analysen von Unternehmen aufstellen kann, sondern ich versuche, "auf die Schultern der Riesen" zu steigen, indem ich mir möglichst Analysen guter Analytiker zu Gemüt führe und dann dort mit einem stumpfen Hammer nach Bruchstellen suche, also mit skeptisch-gesundem Menschenverstand und Bauchgefühl weiterdenke.
B. Ich halte mich zurück bei hoch bewerteten Wachstumsaktien, weil hier die tiefe, langfristig orientierte Unternehmensanalyse besonders wichtig wird, ich also strukturell benachteiligt bin. (Anders ausgedrückt: Ich wäre wahrscheinlich der blöde Idiot, der die teuren Papiere zu spät abstößt, wenn etwas schief läuft.)

ABER: Es gibt auch Bereiche, wo professionelle Anleger gegenüber "Armchair"-Privatanlegern strukturell benachteiligt sind.

3. Unternehmensnähe: Tiefe und Nähe kann auch berufsoptimistisch und betriebsblind machen. Man versteht die Stärken und Chancen immer besser, aber der distanzierte, eher stumpf-kritische Blick kann zuweilen die Risiken besser erkennen. Der Armchair-Investor kann also auch Vorteile aus seiner strukturell größeren Distanz ziehen, weil sie den skeptisch-kritischen Umgang erleichtert.

4. Durchhalten und Aufstocken bei Gegenwind:
Kaum ein professioneller Anleger kann sich leisten, dass die verwalteten Gelder ein oder gar zwei Jahre deutlich hinter der gewählten Vergleichsbenchmark hinterherhinken.
Und nicht nur das, sehr viele Profis kommen schon in Erklärungsnot, wenn sie schwächelnde Aktien (aka "Looser") in ihr Depot aufnehmen wollen. Deutlich stärker als bei "Gewinnern". Das beliebte Jahresend-Depotdressing bei Investmentfonds geht daher auch in die Richtung, die Looser des Jahres aus den Depots zu werfen (und damit noch weiter im Kurs zu drücken) und stattdessen die Gewinner des Jahres aufzunehmen und damit weiter zu puschen. Dieses Depotdressing hat den "Vorteil", dass anschließend den Geldgebern ein Depot voller Erfolgsaktien präsentiert werden kann, was bessere Fähigkeiten des Depotverwalters vorgaukelt.
Dem überzeugten und willensstarken Privatanleger kann das hingegen egal sein, er hat ja keine abwanderungswilligen Anleger im Nacken, sondern arbeitet "nur" mit seinem eigenen Geld.
Ich habe von stw die Regel übernommen, bei 30% Kusverlust eine Aktie kritisch zu hinterfragen, um diese bei Missfallen zu verkaufen, aber bei Gefallen unbedingt deutlich aufzustocken. Diese Aufstockungen bei spürbaren Verlusten (für Profis aus den oben beschriebenen Gründen kaum möglich) haben mir einige meiner besten Renditen gebracht! Ein anderer Anleger, der früher ein Musterdepot im value-Stil bei http://www.stw-boerse.de führte, schrieb gerne, dass eine gute Depotposition zwischenzeitlich mindestens 30% im Minus gewesen sein muss. Diese Einstellung ist für professionelle Anleger gegenüber Geldgebern nur schwer bis gar nicht kommunizierbar.

Daher hat der Privatanleger bei der Wahl von "Looser"-Aktien, die im tief unterbewerteten Bereich (value bis deep value) gelandet sind, strukturelle Vorteile gegenüber zahlreichen professionellen Analytikern und Anlegern, die m.E. auch häufig zu überdurchschnittlich guten Renditen für Privatanleger mit dieser Strategie führen.
Da die Profis zu guten Teilen aus dem Rennen sind und hier mehr Willenskraft als tiefe Analysestärke zählen (OK, die Bude sollte schon nicht pleite gehen), kann man hier schon mit ganz einfachen und stumpfen Kennzahlen des value investings wie KGV, KBV, EV/Ebdita (zur Einberechnung der Schulden) oder CF/Ebdita (Cashflows sind schwerer zu fälschen als Gewinne) solide Ergebnisse erzielen. In meine Augen empfiehlt es sich aber, ein besonderes Warnlampen-Sensorium für zerfallende Geschäftsmodelle und Firmenpleiten sowie gegen Betrugsfälle zu entwickeln und zu pflegen - tiefe Kurse können auch fundamentale Hintergründe haben.

Woodpecker, geschätzter value-Anleger bei http://www.antizyklisch-investieren.de, hat sein Verständnis um die Strukturnachteile bei der Analysetiefe und die Strukturvorteile bei der antizyklischen Willenskraft und Unternehmensdistanz derart auf die Spitze getrieben, dass er bevorzugt ausgebombte Firmen sammelt und sich möglichst gar nicht inhaltlich mit ihnen beschäftigt - er könnte angesichts der (zu Schwächezeiten immer über Gebühr bekannten) Risiken Angst bekommen und zu viele spätere Perlen aussortieren. Seine Strategie erweist sich regelmäßig als sehr erfolgreich.

Für viele Privatinvestoren und insbesondere für Einsteiger mit überschaubaren analytischen Fähigkeiten halte ich daher im value investing eine geeignete Spielwiese, bei der es relativ viele strukturelle Vorteile und vergleichsweise weniger strukturelle Nachteile gegenüber professionellen Anlegern gibt.

Zurück zum Anfang: Warum an Buffett orientieren?
Meine besondere Wertschätzung für Warren Buffett liegt darin begründet, dass dieser ein ungewöhnlich guter "Lehrmeister" für das value investing war und viele der einfachen "Werkzeuge" und Warnungen mit einfachen Worten und mit Hilfe sehr plastischer, leicht verständlicher Beispiele kommunizierte und kommuniziert.
Nicht die besondere Analysestärke, sondern seine besondere Kommunikationsstärke sowie das für Privatanleger m.E. besonders geeignete frühere "Lieblingsspielfeld", (deep) value investing, macht gerade den "frühen Buffett" in meinen Augen so vorzüglich und orientierenswert.
Das sind ganz andere Gründe als MMI angeführt hat. Darum hatte ich den Eindruck, er hätte (versehentlich) untaugliche Pappkameraden aufgestellt, die sich dann auch leicht zerlegen ließen.

5. Anlagehorizont.
Für Profis macht es m.E. einen deutlichen Unterschied, ob sie in börsennotierte oder in nicht börsennotierte Unternehmen investieren. Bei nicht börsennotierten Unternehmen können sie einerseits nur selten und schlecht aussteigen, andererseits findet auch nur selten eine Verkaufspreisermittlung statt, die einen Verkaufsdruck ausübt. Daher wird hier eine längere Anlagedauer sowohl erzwungen als auch erleichtert.
Bei börsennotierten Unternehmen hingegen wird Werktag für Werktag ein Verkaufspreis ermittelt und angeboten. Damit werden auch Kursverluste besonders klar erkennbar, und der Rechtfertigungsdruck gegen Verkauf bei "Looser-Unternehmen" ist deutlich stärker als bei nicht börsennotierten Unternehmen.
Der strukturelle "Willensvorteil" für Privatanleger gilt also m.E. primär für börsennotierte Unternehmen.

Dagegen spricht aber der strukturelle Nachteil des schlechteren Unternehmensverständnisses, welches die langfristige Einschätzung der Unternehmensentwicklung erschwert. Zumindest für mich wiegt das zweite Argument recht schwer. Deshalb eifere ich auch nicht dem "späteren Buffett" nach, der Aktien kauft und möglichst lange hält, sondern pflege als "goldenen Mittelweg" mehrheitlich einen Anlagehorizont von ein bis zwei Jahren.
Damit halte ich länger durch als zahlreiche "kurzatmige" Depotverwalter, die sich schnell von ihren Loosern trennen müssen, so dass ich diesen Gegenüber den Vorteil des längeren und unabhängigen Horizontes ausspielen kann.
In dieser Zeit stellt sich erfahrungsgemäß auch in den meisten Fällen heraus, wie zutreffend meine eher stumpfe Analyse war. War sie zutreffend, ist die Marktstimmung meist zwischenzeitlich umgeschwungen und die leicht erkennbare Unterbewertung wurde ausgeglichen.
In Anbetracht meiner langfristig schwächeren Analysekompetenzen (Kenne deine Grenzen!) begnüge ich mich damit meist und beende dann das Investment. Und auch bei Irrtümern erfolgt der "Bruch" meiner Investitionsthesen meist in diesem Zeitraum.

Die längerfristig gute Einschätzung erfordert meines Erachtens analytisch erfahrenere Anleger oder eben Profis. Ebenso wie Buffett und MMI sind auch manche andere gute Anleger, die ich kenne und schätze, mit der Zeit und gewachsenen Fähigkeiten erfolgreich und relativ schleichend zu immer längeren Anlagezeiträumen umgeschwenkt. Ich traue mir das aber inden meisten Fällen (noch?) nicht zu, auch sind viele von mir mittelfristig geschätzte Kursschnäppchen langfristig m.E. nicht übermäßig attraktiv.

Daher lauten meine derzeitigen Arbeitsthesen:
1. Strukturelle Vorteile lassen sich für Privatanleger am besten im Bereich des value investing mit einem mittelfristigen Zeithorizont von etwa ein bis zwei Jahren ausspielen.
2. (Insbesondere der frühe) Warren Buffet ist ein geeignetes Vorbild, weil er einer der kommunikationsstärksten Lehrmeister für einfaches value investing ist.

al_sting - Mittwoch, 24. Oktober 2018 - 09:34
Hinweis: Mein "Archiv für verkaufte Werte" unten in "Al Stings Musterdepot" startet jetzt erst bei Werten, dich ich ab 2013 verkauft habe.
Der Speicherplatz in dem Feld war einfach ausgereizt, daher musste etwas herausfallen. Und 5 Jahre Rückblick sind m.E. immer noch großzügig.

al_sting - Freitag, 23. November 2018 - 20:30
Puh, die erhoffte und erwartete Herbstrallye ist ausgeblieben. Und mein Depot, das darauf wettete, ist in den letzten Wochen solide abgesoffen.

Da haben wir morgen abend ein paar gute Gesprächspunkte, beim kleinen abendlich-nächtlichen Treffen in Dresden. Ich freue mich darauf.
Will ein Forenleser spontan dazustoßen, zu Prof und mir?

al_sting - Freitag, 23. November 2018 - 20:37
Ach ja, mein derzeitiges Hauptärgernis ist Covestro. Ich bin nach der erstaunlich starken Quartalszahlen eingestiegen. Eine deutliche Gewinnwarnung so kurz nach diesen Zahlen kam für mich überraschend. Ich erwartete sich verschlechternde Zahlen (und dann ist ein Einstieg IMMER besonders riskant), aber ich erwartete nicht so spontane Überraschungen. Eine Aufstockung verbietet sich aber vorerst.

Erfreulich stechen hingegen MutuiOnline und Lufthansa heraus. Mutui kann sich mit seinen starken Zahlen bislang sehr gut gegen die italienischen Sorgen stemmen. Und Lufthansa profitiert vom jetzt wieder sinkenden Ölpreis. Zugegeben, beides sind wacklige Fundamente.

Und der Tesla-Put gefällt mir nicht zuletzt als Hedge gegen meine Auto-Aktien. Wenn die komplette Branche rutscht, kann Tesla die Verluste der deutschen Hersteller recht gut abpuffern. Auch darum wollte ich wieder auf eine komplette Position aufstocken, das war nicht nur Zockeritis.

prof - Freitag, 23. November 2018 - 20:49
Covestro: Man sollte vielleicht nicht nach der ersten Gewinnwarnung einsteigen. Lieber warten, bis ein Gewöhnungseffekt eingetreten ist.


Tesla sollten auch mit einer möglicherweise fallenden Nasdaq korrelieren. Von dieser Seite her auch ein guter Hedge.

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