Diskussionsforum der stw-boerse: Strategiediskussionen: Das Experiment Euro
  Thema Posts Stand
Archivierte Beiträge bis 14. Januar 2014 20    16.1. - 11:53
Archivierte Beiträge bis 6. November 2013 20    6.11. - 12:34
Archivierte Beiträge bis 24. September 2013 20    1.10. - 09:19
Archivierte Beiträge bis 31. Juli 2013 20    31.7. - 14:52
Archivierte Beiträge bis 28. März 2013 20    28.3. - 21:00
Archivierte Beiträge bis 31. Mai 2012 20    7.6. - 10:57
Archivierte Beiträge bis 18. Mai 2012 20    26.5. - 07:26
Archivierte Beiträge bis 12. November 2011 20    15.11. - 20:46
Archivierte Beiträge bis 15. August 2011 20    18.8. - 13:51
Archivierte Beiträge bis 10. April 2010 20    14.4. - 07:04

prof - Montag, 2. Januar 2017 - 13:31
Eine neue Segnung der EU Bürokratie: Ab 01.01.2017 wird im "Rahmen der EU-Harmonisierung" die Dividende erst am 3. Werktag nach der HV gutgeschrieben. Mit welchem Recht wird hier wieder zum Nachteil des deutschen Anlegers harmonisiert?

levdul1 - Sonntag, 15. Januar 2017 - 13:28
Die europäische Zentralbank kauft ja nun seit geraumer Zeit Staatsanleihen auf. Ist in irgendeiner Weise bekannt um welche Staatsanleihen es sich handelt ? Darf die europäische Zentralbank hier einige Staaten übergewichten ?

helmut - Montag, 16. Januar 2017 - 11:53
"Laut EZB-Präsident Draghi wird nach dem Kapitalschlüssel bei der EZB gekauft."

Im Artikel unten stehen alle wesentlichen Punkte drin (Quelle: DerStandard). Das Problem sind tatsächlich nicht die Aufkäufe selber, sondern die daraus resuliterenden Target-Salden. (vgl. z.B. hier http://www.wiwo.de/politik/europa/euro-krise-wie-funktioniert-das-target-system/6277238-3.html
Damit wird aus dem Ringfencing der Schulden bzw. der formalen Nicht-Haftung für Schulden der Südländer faktisch trotzdem ein Gesamtschuldenthema.


Frage: Hat Draghi nicht irgendetwas davon gesagt, dass nicht alle Risiken geteilt werden? Antwort: Im Eurosystem haben die Notenbanken der Mitgliedsländer nicht aufgehört zu existieren. Sie haben ihre geldpolitischen Aufgaben (wie Zinsentscheide) nur an die EZB delegiert. Die nationalen Notenbanken stellen der EZB dafür Kapital anteilsmäßig zur Verfügung. Entsprechend diesem Schlüssel werden in der Regel auch Gewinne und Verluste aufgeteilt. Österreichs Anteil liegt bei etwa zwei Prozent. Die EZB wird nun Anleihen von Euroländern und europäischen Institutionen kaufen. Wenn nach Käufen von Papieren der EU-Institutionen Verluste bei der EZB entstehen, werden diese nach dem üblichen Schlüssel der Notenbank aufgeteilt. Die von den nationalen Notenbanken gekauften Papiere hingegen unterliegen nicht dieser Verlustteilung. Insgesamt sagt EZB-Präsident Draghi, dass 80 Prozent des Risikos bei den Wertpapierkäufen von den nationalen Notenbanken getragen werden, der Rest wird vergemeinschaftet.

Frage: Okay, ein Teil des Kaufprogrammes wird von den nationalen Notenbanken abgewickelt. Hier erfolgt also keine Risikoteilung.
Antwort: Solange die Währungsunion bestehen bleibt, ist das richtig. Die Zentralbank in Rom wird im Auftrag der EZB italienischen Anleihen auf die eigene Bilanz und eigene Rechnung kaufen. Auch mögliche Verluste aus diesen Geschäften – und das ist der entscheidende Punkt – werden nicht zwischen den einzelnen Zentralbanken geteilt. Geht zum Beispiel Italien pleite und zahlt keine Zinsen mehr, hat die Notenbank in Rom das Problem. Allerdings: Wenn ein Land aus der Währungsunion austritt, wird es für die verbliebenen Staaten und Steuerzahler teurer. Frage: Wie das? Antwort: Das liegt an den Target-II-Salden. Target ist das System, mit dem die Notenbanken im Euroraum grenzüberschreitende Zahlungen abwickeln. Das System ist komplex, lässt sich aber so vereinfachen: Wenn ein grenzüberschreitender Geldtransfer stattfindet, entsteht zwischen den beteiligten Notenbanken ein Guthaben beziehungsweise eine Verbindlichkeit. Überweist ein Grieche 1.000 Euro an seine Bank in Deutschland, entsteht bei der griechischen Zentralbank im Target-System eine Verbindlichkeit von 1.000 Euro gegenüber der deutschen Notenbank. Die Krise und die Kapitalflucht aus dem Süden haben dazu geführt, dass die Bundesbank zum großen Kreditgeber für den Süden geworden ist. Aktuell liegen die Forderungen der Bundesbank im Target-System bei 460 Milliarden Euro. Die Geldschwemme der EZB könnte zu einem weiteren Anstieg der Target-Schulden der südlichen Euroländer führen. Vor allem wenn neuerlich Turbulenzen an den Finanzmärkten ausbrechen. Solange die Währungsunion besteht, muss die Target-Schuld nicht beglichen werden. Tritt aber ein Land aus dem Euro aus (und begleicht seine Target-Verbindlichkeiten nicht, was wahrscheinlich wäre), müssten die verbliebenen Euroländer diesen Verlust realisieren, also schlucken. Die Steuerzahler der Rest-Euro-Länder würden auf diesen Verlusten sitzenbleiben, formulierte es einmal die Deutsche Bundesbank.

Frage: Wie viel kaufen die einzelnen Notenbanken, etwa die Oesterreichische Nationalbank?
Antwort: Laut EZB-Präsident Draghi wird nach dem Kapitalschlüssel bei der EZB gekauft. Auf Österreich entfallen demnach bei zwei Prozent etwa 1,2 Milliarden Euro. Welche Anleihen gekauft werden müssen, sagte Draghi nicht. Nur so viel: Es dürfen keine Ramschpapiere sein. Ausnahme: wenn ein Staat bereits unter den Eurorettungsschirm geschlüpft ist. Daher dürfte Griechenland trotz seines Ramschstatus in den Vorzug dieser Käufe kommen. Frage: Die Deutsche Bundesbank hat die Anleihenkäufe massiv abgelehnt. Warum? Antwort: Eine Antwort darauf findet sich in einem Positionspapier der Bundesbank aus dem Dezember 2012: Wenn die EZB Geld druckt, um Italien, Spanien und Co zu finanzieren, sinken die Zinsen für diese Länder. Der Spardruck fällt weg. Spanien und Italien könnten nun aber nach immer neuen Krediten der EZB verlangen. Die Euro-Zentralbank wäre damit ein Garant dafür, dass die Südländer immer solvent sind – also nicht pleitegehen. Die EZB wäre unter Druck, immer Geld bereitzustellen, selbst wenn die Inflation im Euroraum ansteigt. Aber genau das wäre fatal, sagt die Bundesbank. Denn zentrale Aufgabe der EZB ist die Sicherung der Preisstabilität. Wenn Bürger und Unternehmen sehen, dass die EZB ihr wichtigstes Ziel hintanstellt, wäre deren wichtigstes Vermögen futsch: ihre Vertrauenswürdigkeit.

Frage: Ist der Kauf von Staatsanleihen in der Eurozone nicht verboten?
Antwort: Die Entscheidung der Zentralbanker, Staatsschulden mit der Notenpresse zu finanzieren, war in der Tat juristisch lange umstritten. In Artikel 123 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) heißt es klar, dass die EZB Schuldtitel nicht "unmittelbar" erwerben darf. Allerdings interpretieren die EZB und inzwischen auch der juristische Gutachter des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) diese Bestimmung dahingehend, dass der EZB nur der Kauf von Staatsanleihen am Primärmarkt verboten ist. Was ist gemeint? Staaten begeben Anleihen an Investoren. Diese Schuldscheine sind am Markt (am Sekundärmarkt) handelbar. Hier darf die EZB also kaufen, weil sie nicht unmittelbar von Staaten erwirbt. Der Gutachter des EuGH macht nur eine Einschränkung in einer vergangene Woche veröffentlichten Stellungnahme: Die Käufe der Notenbank dürfen nicht unbegrenzt stattfinden. Diese Sicht mag juristisch korrekt sein. In Wirklichkeit beeinflussen die Preise am Sekundärmarkt jene am Primärmarkt. Durch die EZB-Intervention kommen also Italien und Spanien billiger an Kredite.

levdul1 - Montag, 16. Januar 2017 - 12:30
Und deshalb wird es in der Euro-Zone wohl so sein wie bei der Mafia: einmal dabei - immer dabei. Den Austritt eines Landes kann sich niemand leisten.

prof - Donnerstag, 6. Dezember 2018 - 14:30
Die Proteste in Frankreich und die Rücknahme der Preiserhöhungen zeigen, wie fragil der französische Haushalt sein dürfte. Ein weiterer Sargnagel für den Euro?

Diskussionsforum der stw-boerse: Strategiediskussionen: Das Experiment Euro
Eine Nachricht hinzufügen

Benutzername:   Dies ist ein privater Board-Bereich. Bitte geben Sie Ihre ID und Ihr Passwort an.
Passwort: