Diskussionsforum der stw-boerse: Strategiediskussionen: Tendenz Deutschland: Archivierte Beiträge bis 24. Mai 2005
chinaman - Dienstag, 17. August 2004 - 13:03
ZEW-PROGNOSE

Ein bisschen Aufschwung - dann geht's bergab

Hohe Ölpreise, schwindende Exportchancen - die Aussichten auf eine Konjunkturerholung in Deutschland haben sich nach Einschätzung von Finanzexperten im August überraschend deutlich eingetrübt.

Mannheim - Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Indikator für die Konjunkturerwartungen sank von 48,4 Punkte im Juli auf 45,3 Punkte im August, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten einen Wert von 46 Punkten vorausgesagt. Trotzdem gehen die Experten von einer moderaten Konjunkturerholung aus.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz hob hervor, der mittelfristige Ausblick der Experten habe sich verschlechtert, während bei der Bewertung der aktuellen Lage eine Besserung verzeichnet wurde. Die Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung gingen einher mit Befürchtungen, dass sich die Dynamik der Konjunkturerholung hier zu Lande abschwächt, weil die Unsicherheiten über die Entwicklung der Weltkonjunktur und des Ölpreises zugenommen haben.

Die jüngsten Konjunkturzahlen aus den USA gäben in der Tat Anlass zu der Befürchtung, dass sich die Weltwirtschaft und somit die bisher sehr starke Exportnachfrage in Deutschland abschwächen könne, sagte Franz. Zudem reduziere der hohe Ölpreis die Binnennachfrage. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage ist dagegen laut ZEW von minus 69,3 Punkten auf minus 65,2 Punkte gestiegen.

Die Konjunkturerwartungen für die Euro-Zone gaben im August weiter nach. Der Euro-Indikator verlor 3,5 Punkte gegenüber dem Vormonat und liegt nun bei 52,0 Punkte. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum verbesserte sich weiter von minus 40,5 auf minus 33,5 Punkte.

An der ZEW-Umfrage haben sich im August 291 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Sie wurden nach der Bewertung der aktuellen Lage sowie nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt. Der Indikator für die Konjunkturerwartungen gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen auf Sicht der kommenden sechs Monate wieder.


Quelle: Spiegel online

chinaman - Dienstag, 14. September 2004 - 16:19
ftd.de, Di, 14.9.2004, 11:22, aktualisiert: Di, 14.9.2004, 12:35
ZEW-Indikator belegt schwindenden Optimismus

Die wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland haben sich nach Einschätzung von Finanzmarktexperten im September unerwartet deutlich eingetrübt. Noch immer bereitet die schwache Binnennachfrage Sorgen.


Der Saldo der Konjunkturerwartungen der vom Mannheimer ZEW befragten Finanzmarktexperten sank von 45,3 Punkten im August auf 38,4 Punkte im September, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Volkswirte sagten, auch der hohe Ölpreis dürfte die Stimmung belastet haben. Die aktuelle Lage schätzten die Experten dagegen weniger pessimistisch ein als noch im August.

Das ZEW befragt jeden Monat gut 300 Analysten und institutionelle Anleger zu ihren mittelfristigen Konjunkturerwartungen. Der Saldo gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten wieder.


"Der Grund für den schwindenden Konjunkturoptimismus liegt in der Erwartung einer nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik angesichts uneinheitlicher Wirtschaftsdaten aus den USA", teilte das ZEW mit. "Impulse von der deutschen Binnennachfrage sind bislang noch nicht absehbar." Der Indikator für die Wirtschaftslage legte von minus 65,2 Punkten auf minus 61,5 Punkte zu. Der für die Konjunkturentwicklung in der Euro-Zone schwächte sich von 52 Punkten auf 44,7 Punkte ab.


Analysten reagieren moderat


Jens Kramer von der NordLB nannte die Ergebnisse der ZEW-Umfrage nicht überraschend und auch nicht schlimm: "Der Indikator ist immer noch im positiven Bereich. Er zeigt aber, dass die Erwartungen für das kommende Jahr nicht übermäßig optimistisch sind und nichts hinzugekommen ist, was neuen Optimismus nährt." Er gehe davon aus, dass sich die Konjunkturerholung in dem bisherigen Tempo fortsetzen werde.


Matthias Rubisch von der Commerzbank sagte, der Index sei sowieso die ganze Zeit relativ hoch gewesen. Es sei aber keine Beschleunigung des Wachstums mehr zu erwarten: "Das erste Halbjahr war ja bereits ganz ordentlich." Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim teilte mit, es bestehe bei den Analysten die Sorge, dass der bisher exportgetriebene Aufschwung nicht auf die Binnenwirtschaft übergreife. Indikatoren wie der Auftragseingang der Industrie oder die Ausrüstungsinvestitionen deuteten aber in eine andere Richtung. Sowohl der Auftragseingang in der Industrie als auch die deutsche Produktion hatten im Juli deutlich stärker zugelegt als erwartet.


Im August hatten aber auch andere Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex nachgegeben und die Sorgen um ein Abflauen der Konjunkturerholung genährt. Für das laufende Jahr erwarten die meisten Volkswirte wie die Bundesregierung dank des starken Exports ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,5 und 2,0 Prozent. Für das kommende Jahr gehen die Prognosen aber inzwischen deutlich auseinander.

chinaman - Dienstag, 2. November 2004 - 18:11
die Umfragen unter deutschen Einkaufsmanagern sind enttäuschend.

http://www.fondscheck.de/Analysen/defaul...alysenID=502989

chinaman - Dienstag, 2. November 2004 - 18:12
Deutsche Einzelhändler beklagen Umsatzrückgänge.

http://www.reuters.de/newsPackageArticle...65&section=news

chinaman - Dienstag, 2. November 2004 - 18:13
Und passend dazu, wird die Wachstumsprognose für Deutschland insgesamt gesenkt.

http://www.reuters.de/newsPackageArticle...18&section=news

prof - Dienstag, 2. November 2004 - 19:21
Hinweis: Die 3 Links führen ins Nirvana ...
Prof

chinaman - Mittwoch, 3. November 2004 - 13:30
@ Prof: Danke für den Hinweis !

Gruß
Chinaman


01.11.2004
Dt. Einkaufsmanagerindex Jahrestief
DekaBank

Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe haben in Euroland im Oktober weiter nachgegeben, berichten die Analysten der DekaBank.

Der deutsche Einkaufsmanagerindex habe mit seinem dritten Rückgang in Folge ein Jahrestief erreicht. Der Umfrage bei den Einkaufsmanagern zufolge werde inzwischen mehr produziert als an Aufträgen neu hereinkomme, weshalb sich die Beurteilung der Auftragsbestände entsprechend verschlechtert habe. Auch wenn keine rezessiven Tendenzen in Deutschland auszumachen seien, allein die Abschwächung der konjunkturellen Dynamik, die zunehmend Gestalt annehme, sei schon eine Belastung.

chinaman - Mittwoch, 3. November 2004 - 13:32
Einzelhändler setzen im September weniger um
Dienstag 2 November, 2004 10:39 CET

Von Klaus Lauer und Sven-Markus Egenter

Berlin (Reuters) - Die deutschen Einzelhändler haben im September wieder einen Rückschlag erlitten und weniger verkauft. Experten gehen angesichts knapper Haushaltskassen und schlechter Stimmung der Verbraucher davon aus, dass die seit Jahren kriselnde Branche noch eine Weile auf die Wende zum Besseren warten muss.

Im Vergleich zum August sanken die Umsätze nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag inflationsbereinigt (real) um 0,4 Prozent und lagen damit 1,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. "Der Einzelhandel hat eine schwierige Zeit vor sich, daran ändert sich nichts", sagte Klaus Schrüfer von der SEB. "Die Belastungen sind die ungünstige Stimmung, die hohe Arbeitslosigkeit und die Einkommensentwicklung." Die Branche selbst setzt auf das Weihnachtsgeschäft und erwartet wie Volkswirte eine Trendwende erst im Laufe des kommenden Jahres.

AUSSICHTEN FÜR EINZELHANDEL BLEIBEN VORERST UNGÜNSTIG

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt reale Umsätze im September auf dem Niveau des Vormonats prognostiziert. "Wir hatten einen leichten Anstieg erwartet, hätten darin aber auch keine Trendwende gesehen", sagte Jörg Lüschow von der WestLB. "Wir erwarten bis ins Frühjahr nächsten Jahres hinein keine Belebung beim Konsum. Im Gegenteil: Eine Reihe von Faktoren schlagen noch auf das Konsumklima durch." So drückten die Firmen ihre Kosten und die verfügbaren Einkommen nähmen kaum zu. "Ohne einen Anstieg der Einkommen wird sich beim Konsum nichts tun", betonte Lüschow.

Auch die Branche selbst hat inzwischen die Hoffnung auf das erste Umsatzplus nach zwei Jahren mit Einnahmerückgängen für das laufende Jahr aufgegeben und rechnet dem Branchenverband HDE zufolge mit einem nominalen Umsatzminus von 0,5 Prozent. In den ersten neun Monaten 2004 hat sich bislang ein realer Umsatzrückgang von 1,3 Prozent aufsummiert. "Dennoch halten wir daran fest, dass wir durch ein gutes Weihnachtsgeschäft wieder an Boden gewinnen", sagte ein HDE-Sprecher.

Als kleinen Hoffnungsschimmer werteten Experten, dass die Umsätze im Einzelhandel von Juli bis September erstmals in diesem Jahr zum Vorquartal anstiegen, wenn auch nur um 0,1 Prozent. "Von einem kräftigen Anstieg beim privaten Verbrauch in Deutschland sind wir aber noch weit entfernt", urteilten die Volkswirte der Commerzbank.

VERSANDHANDEL BLEIBT SORGENKIND DES HANDELS

Im September sanken die Umsätze nach Daten der Bundesbank, die auch den Auto-Verkauf und die Erlöse an Tankstellen einschließen, zum Vormonat um 0,1 Prozent und zum Vorjahr um 2,8 Prozent. Vor allem im Versandhandel brach der Umsatz ein: Real setzten die Versandhändler fast acht Prozent weniger als im Vorjahr um. Der Lebensmittel-Facheinzelhandel musste ein reales Umsatzminus von 4,5 Prozent verkraften, der Handel mit Schuhen, Textilien, Bekleidung oder Lederwaren verkaufte 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Steigende Umsätze verzeichneten die Verkäufer von Einrichtung, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem Plus von real 1,3 Prozent. Auch die Geschäfte mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkte liefen besser als im Vorjahr: Der Handel setzte mit diesen Waren 2,5 Prozent mehr um.

chinaman - Mittwoch, 3. November 2004 - 13:33
IWF senkt Prognose für deutsches Wirtschaftswachstum
Dienstag 2 November, 2004 16:01 CET

Berlin/Washington (Reuters) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum vor allem wegen der hohen Ölpreise gesenkt.

Im nächsten Jahr sei ein Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,5 Prozent und in diesem Jahr von 1,9 Prozent zu erwarten, wie der Fonds am Dienstag in Washington mitteilte. Bisher war der IWF für 2005 von einem Plus von 1,8 Prozent und zwei Prozent in diesem Jahr ausgegangen. "Nach drei Jahren Stagnation erlebt Deutschland einen moderaten zyklischen Aufschwung", sagte der IWF-Deutschlandexperte Ajai Chopra. Allerdings bleibe die Binnennachfrage schwach und die Erholung vom Export abhängig. Das Staatsdefizit wird dem IWF zufolge auch 2005 über der Schwelle des Euro-Stabilitätspaktes von drei Prozent des BIP liegen. Der Regierung bescheinigte er Erfolge bei der Umsetzung von Sozialreformen. Diese müssten aber verstärkt werden, um mittelfristig mehr Wachstum zu ermöglichen.

Als Ursachen für den vorsichtigeren Ausblick nannte der IWF die noch immer geringe Investitionsbereitschaft vieler Firmen, den schwachen Arbeitsmarkt, der den privaten Konsum dämpfe, und die negativen Folgen des starken Ölpreis-Anstiegs. Trotz der Prognosesenkung zeigte sich der IWF aber grundsätzlich optimistisch. Chopra sagte, werde das Wirtschaftswachstum um die größere Zahl an Arbeitstagen in diesem Jahr bereinigt, könne man für 2005 von einer leichten Wachstumsbeschleunigung sprechen. Der Arbeitstageeffekt mache etwa 0,5 Prozentpunkte des BIP aus.

Die Bundesregierung rechnet 2004 mit einem Wachstum von 1,8 Prozent und für 2005 von 1,7 Prozent. Bei Wirtschaftsforschern und Banken ist aber umstritten, ob die Erholung in einem ähnlichen Tempo wie 2004 weitergeht. Auch der IWF sieht seine Prognose wegen der starken Abhängigkeit von der Nachfrage aus dem Ausland mit Unsicherheiten behaftet: "Die unausgeglichene Natur der Erholung führt zu Unsicherheiten über ihre Stärke und ihre Nachhaltigkeit", sagte Chopra. Dabei springe der Funken von der Außenwirtschaft zwar langsamer als früher auf die Binnenkonjunktur über. Es gebe aber keine Anzeichen, dass dieser Mechanismus nicht mehr in Gang komme und die Investitionen und den Arbeitsmarkt in Deutschland belebe.

DEFIZIT BLEIBT ÜBER DREI PROZENT - BANKEN-SEKTOR VERBESSERT

Das deutsche Staatsdefizit 2005 wird nach Einschätzung des IWF mit 3,4 Prozent zum vierten Mal in Folge über der EU-Grenze von drei Prozent liegen, nach 3,9 Prozent in diesem Jahr. Diese Entspannung führt der IWF unter anderem auf eine Normalisierung der Gewinne der Bundesbank zurück, die 2004 extrem niedrig ausfallen würden. Zum Finanzsektor hieß es, dieser setze seine Erholung zwar fort. Die vom Markt betriebene Restrukturierung komme aber nur wenig voran. "Dennoch ist das Banken-System jetzt in einer besseren Verfassung, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen."

Der Politik in Deutschland bescheinigte der IWF wichtige Fortschritte bei der Lösung tiefgehender struktureller Probleme: "Die Umsetzung von Strukturreformen im Rahmen der Agenda 2010 ist auf dem Weg, obwohl es merklichen Widerstand aus der Bevölkerung gibt." In Kombination mit größerer Flexibilität bei den Arbeitsentgelten und einer besseren Job-Vermittlung werde so die Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitsmarktes erhöht. Fortschritte habe es auch bei den Reformen der Rentenversicherung und des Gesundheitswesens gegeben. Zugleich mahnte der IWF aber an: "Weitere Reformen sind notwendig, um das Potenzialwachstum zu vergrößern und sich für die alternde Bevölkerung zu wappnen."

Konkret schlug der IWF unter anderem vor, das von den Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) aus Hessen und Peer Steinbrück (SPD) aus Nordrhein-Westfalen erarbeitet Programm zum Abbau von Subventionen umzusetzen und die Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik zurückzufahren. "Gesunde Staatsfinanzen sind eine Vorbedingung für Wirtschaftswachstum", sagte Chopra.

chinaman - Sonntag, 7. November 2004 - 06:40
Unternehmensgewinne steigen in Deutschland am stärksten
Anziehende Nachfrage und rigorose Sparanstrengungen treiben die Erträge in diesem Jahr nach oben
von Manfred Fischer

Die Herren sind guter Dinge. "Wir haben die selbstgesteckten Ziele übertroffen", sagt Ulf Schneider, Vorstandsvorsitzender des Dialyse-Konzerns Fresenius Medical Care. Vom besten dritten Quartal in der Unternehmensgeschichte kann BMW-Vorsitzender Helmut Panke berichten. "Absatz, Umsatz und Ergebnis" erreichen beim Autohersteller neue Höchststände. Henning Kagermann, Vorstandssprecher des Software-Unternehmens SAP, spricht von einem "überzeugenden Gesamtergebnis" für seinen Konzern. Nikolaus Schweickart schließlich, Chef des Chemie- und Pharmaherstellers Altana, findet sein Unternehmen in "hervorragender Verfassung". Mag der Enthusiasmus der Chefmanager auch zum Berufsbild gehören, so ist eines doch unbestritten: Deutsche Unternehmen verdienen wieder soviel Geld wie seit langem nicht mehr.


Die Zahlen, die jetzt von den Unternehmen für den Gang der Geschäfte im dritten Quartal dieses Jahres gemeldet werden, kennen fast durchweg nur eine Richtung: Sie gehen nach oben. Dieser Aufwärtstrend bei den Erträgen ist seit Monaten stabil und wird für das Jahr 2004 zu deutlich höheren Gewinnzahlen bei den Unternehmen führen. Geht es nach den Erwartungen der Aktienanalysten, werden allein die im Deutschen Aktienindex Dax versammelten 30 Großunternehmen in diesem Jahr ein Gewinnplus von 57,6 Prozent verbuchen können.


Noch vor wenigen Monaten, im Spätsommer, hatten die Erwartungen der Aktienexperten für das Jahr 2004 einen Gewinnzuwachs von 47 Prozent prognostiziert.


Auch gegenüber dem Vorjahr nimmt das Tempo der Gewinnsteigerung noch zu. Im vergangenen Jahr schafften die Dax-Unternehmen einen Gewinnanstieg von immerhin schon 36,6 Prozent.


Dabei geht der Trend zu deutlich steigenden Gewinnen durch alle Branchen. Pharmaunternehmen und Stahlhersteller, Stromkonzerne und Elektrounternehmen, sie alle erfreuen ihre Aktionäre mit immer besseren Geschäftszahlen. Selbst die trüben Nachrichten aus der Autoindustrie, von Volkswagen und Opel, und die Katastrophenmeldungen vom Einzelhandelskonzern Karstadt-Quelle können den Trend zu immer schwärzeren Zahlen nicht brechen.


Dabei ist in Deutschland der Gewinnswing noch weit größer als bei den europäischen Großunternehmen insgesamt, und er ist erst recht deutlich stärker als in den USA. Dort legen die Erträge der 500 größten Aktiengesellschaften in diesem Jahr nach den Erwartungen der Analysten um knapp 20 Prozent zu, kaum weniger als im vergangenen Jahr. Für 2005 allerdings rechnen die Aktienexperten mit einem deutlich verringerten Gewinnanstieg von nur noch 10,9 Prozent.


Für die Differenzen in der Gewinnentwicklung zwischen den Kontinenten gibt es gute Gründe: "Der deutsche Markt ist ein zyklisches Unternehmen", sagt Roland Ziegler, Anlagestratege bei der BHF-Bank in Frankfurt. Anders als etwa die großen Unternehmen in Großbritannien oder den USA, heißt das, sind die deutschen Multis stark von der Konjunktur und deren Schwankungen abhängig. Statt mit schicken Dienstleistungen, trendiger Software, mit Finanzberatung und Imagepflege beschäftigen sich die deutschen Konzerne mit Produktion und Bearbeitung von Hardware, eine vergleichsweise mühsame Angelegenheit. Das Geschäft mit solchen Produkten ist stärker von der Entwicklung der allgemeinen Nachfrage abhängig als andere, weniger direkt solchen Schwankungen ausgesetzte Geschäftsfelder. Zu den stabileren Tätigkeitsfeldern gehören auch die Pharmaindustrie und weite Teile der Dienstleistungsbranche. Deshalb haben deutsche Konzerne jetzt mehr von der wenn auch nur leichten Konjunkturbelebung.


Der zweite Grund für den starken Aufwärtstrend der Gewinne in Deutschland ist die überdurchschnittliche Exportabhängigkeit der heimischen Wirtschaft. Deswegen profitieren viele Unternehmen besonders stark von der Erholung der Weltwirtschaft. Die wächst in diesem Jahr mit einer Rate von voraussichtlich 4,8 Prozent nach 3,9 Prozent im Jahr 2003. Das hilft nicht nur, den Absatz anzukurbeln, sondern verbessert auch die Chancen, steigende Kosten über die Preise abzuwälzen. So hat Werner Wenning, Vorstandsvorsitzender des Chemie- und Pharmaunternehmens Bayer, zunehmend weniger Schwierigkeiten, seine höhere Ölrechnung von seinen Kunststoffkunden bezahlen zu lassen.


Soweit die externen Gründe für die erstaunlich gute Performance der deutschen Unternehmen in diesem Jahr. Doch wichtiger als der bessere Gang der Geschäfte sind die intern unternommenen Anstrengungen, die Kosten nach unten zu fahren. Das ganze Land und so auch die Unternehmen befinden sich langsam, aber sicher in einem gewaltigen Umbauprozeß. Der wird sich auf Dauer nicht nur in sinkenden Lohnstückkosten auswirken, wie etwa durch die allmähliche Trennung der VW-Arbeiter vom teuren Haustarif, sondern auch zu neuen Wachstumsimpulsen durch steigende Investitionsbereitschaft führen.


Bislang ist das noch nicht der Fall. Die Unternehmen sind eher bestrebt, Schulden abzubauen und eigene Aktien zurückzukaufen, als sich in das Abenteuer neuer Produktionsanlagen zu stürzen. Das muß sich ändern, soll es zu einem nachhaltigen Aufschwung auch in Deutschland kommen.


Immerhin sind die Kostenstrukturen in den Unternehmen schon so weit nach unten gebracht worden, daß in diesem Jahr die Gewinne schneller steigen als die Umsätze. "Das Wachstum wird immer noch getragen von einer Margenverbesserung, auch in den USA", sagt BHF-Stratege Ziegler.


Dabei sind die Amerikaner auf ihrem Weg aus dem tiefen Tal zum Anfang des Jahrtausends, als die Gewinne weltweit wegsackten wie ein Flugzeug im freien Fall, schon ein gutes Stück weiter als Deutschland und Europa. Die US-Unternehmen werden, einschließlich aller Kleinbetriebe und Familiengesellschaften, in diesem Jahr tausend Milliarden Dollar verdienen, mehr als je zuvor in der Geschichte der amerikanischen Wirtschaft. Von einer ähnlichen Zielmarke ist Deutschland noch weit entfernt. Erst 2006 werden die Gewinne der heimischen Unternehmen wieder das Spitzenniveau vom Ende der neunziger Jahre erreichen können.


Die große Sanierungsoperation aber ist geschafft. Zwar werden auch im nächsten Jahr die Gewinne weltweit noch steigen, um immer noch 20 Prozent in Deutschland, wo der Nachholbedarf besonders groß war. Auch in Europa und den USA bleibt der Gewinnanstieg nach den Erwartungen der Analysten noch klar über dem langfristigen Durchschnitt von gut sechs Prozent plus. Dabei wird sich aber der Trend nach oben international angleichen. Um rund zehn Prozent werden die Unternehmensgewinne der großen Aktiengesellschaften in Deutschland, Europa und den USA im Jahr 2006 noch einmal zulegen; ein bißchen mehr in Deutschland, während die anderen beiden Gruppen in der Einteilung der Analysten etwas darunter bleiben.


Wenn nichts dazwischen kommt.


Artikel erschienen am 7. November 2004
Die Welt

chinaman - Sonntag, 7. November 2004 - 06:42
Die Top 20 der deutschen Nebenwerte
Neue Serie über die Stars des Mittelstands: Die besten Small Caps, ermittelt von Independent Research
von Michael Höfling

Am Montag wurde aus der Spekulation Gewißheit. Der US-Konzern Borg Warner kauft den deutschen Automobilzulieferer Beru. Dessen Kurs sprang um gut 13 Prozent nach oben. Wer auf diese Entwicklung schon ein Jahr zuvor gesetzt hatte, kann jetzt gute 40 Prozent Rendite einstreichen. Steuerfrei. Beru ist kein Einzelfall. Mit deutschen Nebenwerten verdienten Anleger in den vergangenen zwölf Monaten besser als mit Siemens, Deutscher Bank und Co.


Doch die Perlen in den Spielklassen unterhalb der Börsen-Bundesliga sind schwer zu finden. Exklusiv für "Welt am Sonntag" hat deshalb das Frankfurter Analysehaus Independent Research in einem aufwendigen Verfahren 20 aussichtsreiche deutsche Nebenwerte herausgefiltert, die ab der kommenden Woche in dieser Zeitung ausführlich vorgestellt werden. "Die Unternehmen des Rankings sind in ihrem jeweiligen Markt gut aufgestellt und erfüllen trotz ihrer Marktenge auch Kriterien, die dem Anleger den Handel mit der Aktie erleichtern", sagt Jens Jung, der die Auswertung bei Independent Research betreut hat. Er mahnt interessierte Anleger aber zur Vorsicht: "Das Ranking ist keine Garantie auf steigende Aktienkurse." Es verbessere in erster Linie die Transparenz im unübersichtlichen Segment klein- und mittelkapitalisierter Aktien.


Und damit ist es nicht weit her. Nach dem Ende des Börsenbooms im Jahr 2000 bauten die Banken ihre Kapazitäten im Research drastisch ab. Darunter litten vor allem die Nebenwerte, an denen zeitweise weder institutionelle noch private Investoren auch nur das geringste Interesse hatten. "Diese Zeiten sind vorüber", sagt Jung. "In der Aufholphase nach der Börsenbaisse erkannten viele Investoren, wie günstig die kleinen Unternehmen bewertet waren." So ließen S- und M-Dax den großen Bruder Dax schon im vergangenen Jahr hinter sich. Und auch in 2004 liegen die Nebenwerte in Führung.


Dazu tragen gerade jene Unternehmen bei, die in Boom-Zeiten der New Economy als Langweiler belächelt wurden, in ihren jeweiligen Nischen aber oft höchst erfolgreich agieren. "Die Small Caps sind die Schnellboote des Aktienmarkts, die viel wendiger sind als die Supertanker aus dem Dax", sagt Heiko Bienek von der auf Nebenwerte spezialisierten Frankfurter Fondsgesellschaft Lupus Alpha. Bienek glaubt deshalb, daß die gute Leistung der Minis an den Börsen noch weitergehen kann. "Die großen Werte sind makroökonomischen und geopolitischen Entwicklungen meist sehr viel stärker ausgesetzt", glaubt er. "Bei kleinen Unternehmen stehen dagegen eher die fundamentalen Daten im Fokus."


Zudem sind die "Minis" auch in der Krise eher in der Lage, sich an veränderte Marktsituationen anzupassen. "Viele Betriebe haben in Eigenregie ohne großes Aufheben Lösungen mit ihren Beschäftigten gefunden, von denen die Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten profitieren", sagt Analyst Jung. "Da wird, ganz im Gegensatz etwa zu Volkswagen oder Daimler-Chrysler, an einem Strang gezogen." Und das nütze auch dem Aktionär.


Oft verbergen sich hinter Nebenwerten auch regelrechte "Hidden Champions", die versteckten Gewinner. Das sind kleinere Unternehmen, die in ihrer Nische Weltmarktführer sind. "Der Preis der Produkte ist für die Abnehmer oftmals nicht entscheidend", erläutert Lupus-Alpha-Mann Bienek. "Für die Kunden zählt in erster Linie, ob der Anbieter zuverlässig liefern kann und ob die Qualität stimmt." Ist das der Fall, steigt auch die Resistenz gegenüber konjunkturellen Schwankungen.


Ein solches Unternehmen ist zum Beispiel Geratherm. Zum Kerngeschäft zählt die Herstellung analoger Fieberthermometer, die ohne das hochgiftige Quecksilber funktionieren. Statt dessen hat Geratherm selbst das patentgeschützte Flüssigmetall Galinstan entwickelt. "In Frankreich und Skandinavien etwa ist Quecksilber bereits verboten", erläutert Analyst Jung. "Setzt sich dieser Trend europaweit fort, würde das Geratherm große Chancen eröffnen."


Das Musterbeispiel für einen erfolgreichen Nebenwert allerdings ist Bijou Brigitte. Das Hamburger Unternehmen, europäischer Marktführer für Modeschmuck und Accessoires, liegt im Ranking von Independent Research ganz vorn. "Hier finden wir das klassische Beispiel für ein erfolgreiches Geschäftsmodell", sagt Analyst Jung. "Bijou profitiert von sinkenden Fixkosten bei steigenden Umsätzen." Das sehen auch die Anleger so: Allein seit Anfang Mai hat sich der Kurs der Aktie mehr als verdoppelt. "Das Papier ist so heiß gelaufen, daß ein kurzfristiger Rückschlag nicht auszuschließen ist", gibt Jung zu bedenken.


Überhaupt muß jeder Anleger, der in Nebenwerte investiert, genügend Zeit mitbringen, sich auch damit zu befassen. Analog zum Schattendasein, das viele der Unternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung führen, gehen viele relevante Nachrichten im Rummel um die großen Werte ganz einfach unter. "Aktive Beschäftigung mit den entsprechenden Aktien ist deshalb ein Muß", sagt Jens Jung.


Wer das nicht leisten kann oder will, der kann auch Fonds oder Indexzertifikate in sein Depot nehmen, die sich auf deutsche Nebenwerte spezialisiert haben (siehe Kasten rechts).


Auch sollten Anleger wissen, daß Nebenwerte grundsätzlich spekulativeren Charakter haben als viele Dax-Werte. Da sie an der Börse in deutlich geringerem Volumen gehandelt werden, sind sie auch meist schwankungsfreudiger. Gerade bei schlechten Nachrichten kann es dann schwierig werden, aus der betreffenden Aktie auszusteigen. Deshalb sollte kein Anleger ausschließlich auf die Small Caps setzen. "Nebenwerte eignen sich ideal als Beimischung zu einem ausgewogenen Aktiendepot", rät Bienek. Die jüngsten Abflüsse aus Aktienfonds sind laut Bienek für die Nebenwerte nicht zwingend ein Problem. Zwar liegt die Kassenquote deutscher Nebenwerte-Fonds nach Angaben der Börsenzeitung mit rund drei Prozent historisch niedrig, doch dafür springen ausländische Gesellschaften in die Bresche. "Wir hören von zahlreichen Unternehmen, daß sie auf ihren Road-Shows in Deutschland mit einem Tag auskommen, für London oder Edinburgh aber drei Tage einplanen müssen, so groß ist das Interesse dort."


Artikel erschienen am 7. November 2004
Die Welt

stw - Montag, 23. Mai 2005 - 15:56
Mich wundert, dass heute hier keiner über die politische Lage in D diskutiert, die in Zukunft wohl auch die Börsenkurse hierzulande bewegen dürften. ICh könnte mir vorstellen, dass es bis zum Jahresende mit dem DAX nun deutlich nach oben geht, wenn sich der nun absehbare vorzeitige Machtwechsel konkretisiert. Allein der psychologische Effekt ist nicht zu unterschätzen. Ob alle nötigen Reformen dann wirklich konsequent angepackt werden ist eine ganz andere Frage... mir gibt der gestrige Tag jedenfalls wieder etwas Hoffnung, dass sich etwas ändern wird in D.

:-) stw

drwssk - Montag, 23. Mai 2005 - 16:19
Volle Unterstützung. Natürlich sind keine Wunderdinge zu erwarten. Aber weiter so, wie bisher, nein danke.
be.

isabellaflora - Montag, 23. Mai 2005 - 16:28
Jedenfalls mussten heute alle Grünlinge mit ihren Solaraktien verdammt bluten - hier war mal eine Auswirkung spürbar. Ansonsten, es ist ja keine Präsidentenwahl und wegen Angela wird da nicht viel passieren auf dem Parkett, da bin ich mir sicher. Eher habe ich den Eindruck, dass allgemein die Märkte sich nicht so einfinstern wie befürchtet - es wurschtelt sich so dahin. Und mit guten Aktien wirds nen gutes Erntejahr 2005 ;-) Aber denkt daran, der DAX ist ein Kind des Dow Jones, nicht von Westerwelle und den andren Klugsch...

Gruß isabellaflora

prof - Montag, 23. Mai 2005 - 18:11
Das Kind Deutschland ist in den Brunnen gefallen. Um etwas zu ändern, wären schwerste unpopuläre Maßnahmen und Abschaffung von Besitzständen nötig. Das wird auch eine schwarz/gelbe Regierung nicht schaffen.
Die Schnüffelei bleibt auch die gleiche, dafür werden Beckstein und Co schon sorgen.
Ich erhoffe mir jedenfalls wenig und bleibe bei meiner bisherigen "Überlebensstrategie"!


Warum machen die eine Frau Merkel zur Kanzlerkandidaten, wo doch das Volk lieber Christian Wulff hätte? Enweder wollen sie die Wahl gar nicht gewinnen oder sie sind saudäm....
Prof

jomino - Montag, 23. Mai 2005 - 20:00
Ach, vielleicht ist alles nur ein guter Bluff von Schroeder, um von allem abzulenken und die Partei nach dem Debakel zu einen. Wenn er das Vertrauen bekommt, dann gibts keine Neuwahlen. Und wenn, es bleibt eh alles beim "Alten", denn um wirklich etwas zu ändern wären in Deutschland - wie Prof schon sagte - tiefgreifende Einschnitte notwendig!

Gruss
Jomino

jomino - Montag, 23. Mai 2005 - 20:11
@stw:

Nicht vergessen: Politische Boersen haben kurze Beine!

;-) Jomino

stw - Dienstag, 24. Mai 2005 - 08:49
Ja, es sind tiefgreifende Einschnitte nötig, aber dies ist m.E. eine große Chance nach den Neuwahlen mit einer deutlichen Mehrheit im Bundestag UND Bundesrat wirklich unpopuläre Maßnahmen durch schwarz/gelb anzugehen. Andere Länder haben diese Reformen auch bewältigt, warum sollte das bei uns nicht auch möglich sein. Natürlich werden die Gewerkschaften aufschreien, aber ändern werden sie nichts zB an einer Löckerung des Kündigungsschutzes.

:-) stw

isabellaflora - Dienstag, 24. Mai 2005 - 10:57
Hallo stw,

ich bin erstaunt, dass Du auch eine politische Diskussion möchtest hier etablieren - nun denn, mir soll es recht sein. Interessant finde ich derzeit die Diskussionen auf w:o betreffs der Solaraktien - da traut man der CDU/FDP kaum ein Potential zu. Nach dem Motto : CDU und Innovation - nein Danke.

Problematisch erachte ich lediglich eins. Frau Merkel ist als Ziehkind von Kohl nie den Weg über Landesparlamente gegangen, kurz, sie beherrscht das politische Kalkül nicht. Lasse mal sie ruhig rankommen, sie wird sich verzetteln ohne Ende - armes Deutschland. Beispiele ihrer mädchenhaften Künste hat sie ja bereits genug gegeben. Stoiber und alle anderen Ministerpräsidenten wird diese Frau nicht in die Schranken weisen - sie ist halt kein Herr Dr. Kohl ;-)

Gruß isbellaflora

stw - Dienstag, 24. Mai 2005 - 11:45
Ich will hier nicht unbedingt politisieren. Und ein Freund von Frau Merkel bin ich erst recht nicht. Aber das was sich da auf der politischen Bühne tut, wird auch Auswirkungen haben auf die Aktienkurse, die wir hier diskutieren. Daher muss das für uns auch ein Thema sein finde ich.

:-) stw

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