Diskussionsforum der stw-boerse: DAX / MDAX: Wirecard
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al_sting - Mittwoch, 6. Februar 2019 - 19:20
Der jüngste DAX-Konzern und sein Umgang mit Kritikern:

12.12.2008: "Da die WireCard AG wiederholt rechtliche Schritte gegen dieses Forum eingeleitet hat, sehe ich mich gezwungen, jede Diskussion über dieses Unternehmen zukünftig zu unterbinden."

06.02.2019: "Habe erst gestern diese Dame getroffen: [... Link auf ein Video jener Dame ...]
Sie ist wohl auch Short Wirecard - und seit dem meinte sie, sei sie, ihre Firma und ihre Angestellten mehrfach gehackt worden.
Vor einigen Tagen hätte sie sich wohl über einen Lautsprecher im Internet informiert. Am nächsten Tag sei ihr anonym ein solcher zugestellt worden sein..."

06.02.2019: "Dann sind die Methoden wohl subtiler gewordern.
Bei der SdK hatten sie ja damals wohl die Hell's Angels vorfahren lassen, habe ich gehört."

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Drei Erfahrungen von drei verschiedenen, voneinander unabhängigen und von mir jeweils als seriös wahrgenommenen Leuten, allesamt in dieser Diskussion formuliert: http://www.antizyklisch-investieren.com/index.php?thread/3155-wirecard/

Ich kann keine dieser einzelnen Erfahrungen verifizieren, aber die Häufung dieser Berichte hinterlässt einen faden Beigeschmack.
Das kann noch interessant werden.

prof - Mittwoch, 6. Februar 2019 - 19:31
Ich habe eh eine Abneigung gegen Bezahldienste und nutze diese auch privat nur, wenn es nicht anders geht. Wirecard scheinen aber noch ganz andere Probleme zu haben...

xenon - Freitag, 15. März 2019 - 11:47
Nachdem ich eine Weile glücklos mit WireCard gehandelt habe, denke ich, dass es mit dem Bezahldienstleister ein böses Ende nehmen wird.
Allein der "Kauf" der indischen Tochter mutet abenteuerlich an ...
Die Aufarbeitung der Anschuldigungen wird Monate (bis Jahre) dauern und kosten.
Darunter wird früher oder später das operative Geschäft leiden und die avisierten Wachstumszahlen werden nicht mehr erreicht - ich würde mit einer derartig in die "Kritik" geratenen Firma auch keine Verträge abschließen.
Die Analystenschar wird sich wenden (Auftakt heute Citygroup).
Keine Ahnung, ob die WireCard-"Technologie/Software" irgendeinen Übernehmer anziehen wird - die Rechtsstreitigkeiten wohl eher nicht.

prof - Freitag, 15. März 2019 - 12:29
Da bin ich Deiner Meinung. Als DAX Aktie wirft das wieder ein schlechtes Bild auf die Aktienkultur in Deutschland.

al_sting - Dienstag, 16. April 2019 - 14:43
Der Druck auf Wirecard lässt nicht nach.
Die Frage, warum Wirecard vier Mal so hohe Margen wie Unternehmen mit vergleichbarem Geschäftsmodell wie Adyen hat (http://finanz-szene.de/exklusiv-wirecard-macht-rund-viermal-soviel-marge-wie-adyen-aber-warum/), konnte oder wollte Wirecard nicht überzeugend beantworten.

Die These der FT, dass Wirecard die Umsätze in seinem asiatischen Geschäft künstlich aufgeblasen hat, stehen weiter im Raum – aber Wirecard wird die FT doch nicht dafür verklagen.

Ganz aktuell kommt die „Southern Investigative Reporting Foundation“, die mir mit seinen Investigativrecherchen zu Valeant sehr positiv auffiel, mit eigenen Recherchen zu Wirecard.Darin behaupten sie, ein Tochterunternehmen namens „CardSystems Middle East FZ LLC“ sei für etwa 35% (2018) bzw. knapp 50% (2017) des Ebdita von Wirecard zuständig – und zwar durch eine Strohmann-Funktion (veiled middleman) bei der Bezahlungsabwicklung im moralischen und teilweise wohl auch rechtlichen Graubereich von Pornographie und Glücksspielen. http://sirf-online.org/2019/04/15/the-pity-of-wirecard-part-one-olivers-army/

Dass in diesen Branchen höhere Margen erzielbar sind, kann ich mir gut vorstellen. Dass diese Geschäfte auf Dauer das helle und suchende Licht der Öffentlichkeit auf einen DAX-Konzern aushalten, glaube ich eher weniger.

Meine These: Der Kursdruck auf Wirecard bleibt bestehen.
Genauer gesagt: Er wird nach Beendigung des Short-Verbots wieder rasant zunehmen.
Voila: Das Short-Verbot läuft übermorgen aus.

Aber Puts waren nie verboten, diese kann ich auch jetzt schon erwerben. Was ich hiermit mache.

Ich entscheide mich für einen Short nah im Preis (130€, gut 10% Aufschlag), Bezugsverhältnis 10:1, mit einem knappen halben Jahr Laufzeit (16.09.2019) von der Commerzbank: (ISIN DE000CA41NZ5 für 2,89€/Stück
Breakeven bei 101,50€/ (also bei 12,5% Kursverlust), als halbe Position

Kauf 3.000 Stück, Kauf aus dem Brief:
-–>3.000 x 2,89€ = 8.670€

prof - Dienstag, 16. April 2019 - 15:15
Das ist alles sehr einleuchtend und nachvollziehbar und ich denke, Du wirst damit Erfolg haben. Wir sehen ein fallendes Dreieck und es könnten sogar die 100 € mittelfristig und dann dauerhaft fallen.
Viel Erfolg!

prof - Dienstag, 16. April 2019 - 18:29
Der Focus und die Bafin stehen stramm hinter Wirecard: ;-)
http://www.focus.de/finanzen/boerse/bafin-wirecard-mutmasslich-opfer-von-marktmanipulation-strafanzeige_id_10600699.html

al_sting - Dienstag, 16. April 2019 - 19:31
Ich finde es echt überraschend, dass nicht Wirecard selbst Anzeigen erstattet, sondern die Bafin.
Ursprünglich wollte ja Wirecard die FT verklagen wegen Rufmord und ähnlichem.
Auf jeden Fall ein für mich unglückliches Timing, diese Nachricht hat meinem Put mal eben 15% weggehauen.
Aber gut, ich wollte ja nahe am Kurs sein, da ist der Hebel halt höher. Dafür ist es nur eine halbe Position.

covacoro - Mittwoch, 17. April 2019 - 08:38
@al sting

Warum gehst Du hier mit einem Put OS short?
Die Katze Wirecard hat ja 7 Leben, da auch noch mit Laufzeit von 6 Monaten dagegen zu wetten, empfinde ich als sehr spekulativ.

Warum kein Turbo oder Faktor Short ohne die Zeitwertproblematik?

prof - Mittwoch, 17. April 2019 - 09:14
Die Turbo Zertifikate werden doch aber im Ausübungspreis täglich nach unten angepasst?

xenon - Mittwoch, 17. April 2019 - 10:03
Meine Spekulation ist eine andere: PZ6JA4 Discount-Put Cap 60 Basis 80 LZ 20.03.20 - bis dahin werden sich die "Ungereimtheiten" wohl "auflösen" - dieses ganze Konstrukt ist so was von unübersichtlich - ich bin gespannt, wer nach den ganzen Diskussionen, der Firma noch einen ordentlichen Jahresabschluss bescheinigt - jede seröse Prüfgesellschaft muss um ihren Ruf fürchten.
Ja - Wirecard hat 7 Leben und zwischen 100 und 200 Euro lässt sich prima in beide Richtungen spekulieren je nach Nachrichtenlage - noch dazu wenn "Meinungsbildner" wie "der Aktionär" wöchentlich die Fronten wechseln.
Auch die Rolle von Goldman-Sachs ist mir nicht ganz klar - falls sie wirklich 5 % der Wirecard-Aktien besitzen, würde es mich nicht wundern, wenn die Goldmänner sich nicht irgendwie mit Short-Instrumenten "bewaffnen" und eines Tages eine Verkaufslawine im ungeahnten Ausmaß lostreten - dafür reicht dann entweder eine Verkaufsempfehlung Kursziel 60 Euro ;-) oder eine Information wie das z.B. VISA die Zusammenarbeit mit Wirecard beendet, weil man an den Geschäftspraktiken von Wirecard zweifelt.
Es wird einer der größten Skandale für ein DAX-Unternehmen werden - die Frage ist nur wann - momentan sind alle noch risikohungrig.

covacoro - Donnerstag, 18. April 2019 - 19:05
@Prof:
Ja, werden sie, Du bezahlst da täglich die Finanzierungskosten - aufgrund der niedrigen Zinsen sind diese aber momentan auch nicht so hoch.

@Xenon
Zustimmung, wie Du selbst schreibst: man weiss nicht wann das Ding platzt. Daher ist jedes Investment mit einem LZ-Ende halt gefährlich. Da die Vola bei Wirecard zuletzt hoch war, sind auch alle Puts vergleichsweise teuer ...

Insofern muss man immer irgenwo Abstriche machen.

Wir können ja mal ein Experiment starten.
Briefkurs aktuell Put OS DE000CA41NZ5: 2,70 Euro
Briefkurs aktuell Dis. Put OS PZ6JA4: 0,52 Euro
Briefkurs aktuell Turbo Short TR6UGU: 4,02 Euro
Kurs Wirecard: 120,05 Euro.

Mal sehen, wer zuerst aus der jeweiligen Position aussteigt ;-)

al_sting - Montag, 22. April 2019 - 16:02
"Warum gehst Du hier mit einem Put OS short?
Die Katze Wirecard hat ja 7 Leben, da auch noch mit Laufzeit von 6 Monaten dagegen zu wetten, empfinde ich als sehr spekulativ."

@ Covacoro: Eine sehr berechtigte Frage!
Meine späte Antwort: Unwissenheit und (unberechtigte) Schlusspanik.

Unwissenheit: Ich bin noch sehr unerfahren mit Shorts und mache bei der Auswahl sicherlich Fehler. Deine Argumente klingen überzeugend. :-/

Schlusspanik: Ich ging von einem zeitlichen Druck aufgrund des absehbaren Shortverbots aus. Dabei habe ich zweierlei nicht bedacht:
1. Durch Ostern waren noch 5 Tage mehr Zeit, also kein Grund zur Eile.
2. Auch Wirecard kennt den Kalender und dürfte Gegenmaßnahmen planen. Die erste erwischte mich wenige Stunden nach dem Kauf des Puts.

Insofern: Die Grundidee halte ich nach wie vor für richtig. Ich denke ebenfalls, dass Wirecard noch zu einer der großen Blamagen für den DAX werden wird.
Aber deine Frage zeigt wieder offensichtlich: Es wäre klüger gewesen, die Idee hier erst vorzustellen und vor der Auswahl eines Puts auf euren klugen und erfahrenen Rat zu hoffen.

In diesem Sinn: Auch in meinen Fehlern erkenne ich den Wert dieses kleinen, aber sehr feinen Forums, herzlichen Dank für euren klugen Rat und eure klugen Fragen!

al_sting - Mittwoch, 24. April 2019 - 08:07
In der Tat, die Katze mit den 7 Leben: Wirecard verkündet in einer Presseerklärung, dass Softbank mit 900 Mio€ als Wandelschuldverschreibung einsteigen wolle.
http://finanz-szene.de/ad-hoc-meldung-softbank-will-900-mio-euro-in-wirecard-investieren/

Sieht schlecht aus für meinen Put.

xenon - Mittwoch, 24. April 2019 - 10:51
Das ist das Problem an "Optionsscheinen" und Termingeschäften - wir "glauben zwar zu wissen", dass wir "Recht" haben, aber wann wir Recht bekommen, wissen wir nicht. Ist psychologisch auch eine Form eines Egotrips. Halten wir mal fest - Wirecard ist eine tolle Tradingaktie zwischen 100 und 200 Euro, je nach Nachrichtenlage - aber das Geschäftsmodell ist undurchsichtig, "zu profitabel" im Vergleich zu Konkurrenten und die Wahrscheinlichkeit auch nur kleinerer kreativen Buchungen hoch - ich will den Firmengründern gar nichts unterstellen, die "Mittelstandsfirma" ist einfach zu schnell gewachsen und einige essentielle Dinge (Controlling, Kommunikation, Transparenz) sind auf der Strecke geblieben.
Am Ende ist es egal, ob ich bei 10 Mrd. Umsatz eine 10 Millionen falsch gebucht habe - ich werde als Börsenunternehmen angreifbar, das Vertrauen leidet und die Klagewelle rollt ...
Seriöse Investoren meiden diese Firma - es gibt genügend andere Gesellschaften, die unser Interesse und Geld verdienen.

al_sting - Mittwoch, 24. April 2019 - 10:54
Der Tesla-Put basiert auf der Analyse, dass die Firma stetig Geld verliert. Daher spielt die Zeit für mich.

Der Wirecard-Put hingegen basiert auf der Analyse, dass das Geschäftsmodell im Graubereich zu moralisch fragwürdigen bis illegalen Bereichen steht. Wirecard könnte das Geschäftsmodell wegbrechen, wenn der Grauschleier aufgehoben wird und die Reputation schwindet, aber bislang scheinen sie Geld zu verdienen.
Die Rückendeckung durch Softbank ist, neben der Geldspritze, vor allem eine dicke Reputationsspritze. Damit ist mein (wie Covacoro zutreffend anmerkte zu kurzfristig angelegter) Put auf ganz schlechtem Terrain. Hier wäre Aussitzen kontraproduktiv, auch ein Totalverlust ist gut vorstellbar.
Ich ziehe daher die Reißleine:

Verkauf 3.000 Stück, Kurs 1,96€:
-–>3.000 x 1,96 = 5,880€
Verlust: 2.790€ (-31,8%)

Hoher Preis für eine vorschnell gesetzte und dann unglücklich verlaufene Wette.

Trotzdem bin ich sehr neugierig, wie die heutige Bilanzpräsentation und die weitere Diskussion um Wirecard verläuft - und vielleicht setze ich bei Gelegenheit einen zweiten Versuch.

stw - Donnerstag, 25. April 2019 - 12:16
Warum verwendet ihr soviel Energie darauf, solche Wetten zu durchdenken?

Niemand weiss was bei Wirecard wirklich läuft. Von sowas hält man sich einfach fern und gut ist... es gibt doch so viele tolle Unternehmen zu analysieren, die unsere Zeit und Aufmerksamkeit mehr verdienen.

:-) stw

xenon - Donnerstag, 25. April 2019 - 13:46
Du hast völlig Recht.

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