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chinaman - Montag, 25. Februar 2002 - 15:24
'Enronitis': IT-Firmen stehen am Pranger
Quelle: Computerwoche

Von CW-Redakteur Gerhard Holzwart

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach der skandalträchtigen Pleite der Mischkonzerns Enron ist die US-Börsenaufsicht SEC alarmiert. Die Behörde, aber auch viele Analysten und Journalisten stellen immer mehr Firmen bohrende Fragen zu ihren testierten Abschlüssen. Das Wort von der „Enronitis“ macht die Runde. Betroffen sind vor allem auch IT-Unternehmen.

Nur von Verdachtsmomenten oder gar Spekulationen interessierter Analysten- und Journalistenkreise kann zumindest in der US-amerikanischen Telco-Industrie keine Rede mehr sein. Denn die Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) dürfte nicht ohne Grund ihre Untersuchungen gegen die Buchungspraktiken heimischer TK-Anbieter ausgeweitet haben. Nach dem unter Gläubigerschutz stehenden Glasfasernetzbetreiber Global Crossing, der im Verdacht von Scheingeschäften und damit Bilanzfälschung steht, hat nun auch Qwest „Post“ von der SEC bekommen. Die Gesellschaft soll Dokumente über einzelne Transaktionen mit Global Crossing offen legen. Der Vorwurf, der zumindest inoffiziell im Raum steht, bezieht sich ebenfalls auf die gegenseitige Vermietung von Leitungskapazitäten, deren vorgeblicher Erlös jeweils als Umsatz verbucht wurde, obwohl kein Geld geflossen sei. Gleichzeitig soll Qwest dem Internet-Service-Provider KMC für insgesamt 450 Millionen Dollar Equipment verkauft haben – mit der Zusage, als Gegengeschäft Dienstleistungen in gleichem Umfang zu beziehen.
Nach dem dramatischen Geschäftseinbruch im vergangenen Jahr droht nun jedenfalls der Branche weiteres Ungemach. Die – im Falle von Global Crossing – bereits offiziell von der SEC und dem FBI aufgenommenen Ermittlungen lassen jedenfalls unter Anlegern weltweit die Befürchtung aufkommen, dass der eine oder andere Börsenliebling von gestern mit Hilfe „kreativer Buchführung“ einen Schleier über seine letztlich doch nicht ganz so erfolgreichen Geschäfte gelegt hat.

Alles andere als ein geschicktes Timing war in diesem Zusammenhang natürlich auch die Meldung, mit der der angeschlagene Telco-Ausrüster Nortel Networks vergangene Woche aufwarten musste. Dort trennte man sich Knall auf Fall von dem erst Ende vergangenen Jahres ernannten Finanzchef Terry Hungle, dem Insidergeschäfte vorgeworfen werden. Prompt war man bei Nortel auch bemüht, dem Eindruck entgegenzuwirken, man sei das kanadische Pendant zu Enron. „Es gibt keine Diskussionen mit den Aufsichtsbehörden über das Unternehmen Nortel, seine Geschäftstätigkeit oder seine Finanzberichterstattung“, teilte die auch an der New York Stock Exchange (Nyse) gelistete Company mit.

Auch Microsoft und IBM im Visier

Doch besagte „Enronitis“ scheint immer größere Kreise zu ziehen. So stehen inzwischen auch der Telco-Ausrüster Qualcomm, der Grafikchip-Hersteller Nvidia, das Internet-Kaufhaus und Maklerbüro Homestore.com und selbst Branchenprimus IBM am Pranger. Und noch zwei andere, nicht ganz unbebekannte Player der IT-Industrie: Microsoft und Cisco Systems. Die SEC untersucht jedenfalls nach Angaben des „Wall Street Journal“ immer noch angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Gates-Company, wonach der Softwareriese Anfang bis Mitte der 90er Jahre Gewinne „gebunkert“ haben soll, um sie nun zur Schönung der Ergebnisse zu verwenden.

Ob sich Netzprimus Cisco demnächst unangenehme Fragen von der SEC gefallen lassen muss, bleibt noch dahingestellt. Doch auch bei den Kaliforniern wird seit längerem von Marktbeobachtern über zulässige oder auch nicht zulässige Bilanzkosmetik spekuliert.

Cisco – ein Fall für die SEC?

Stein des Anstoßes sind aktuell vermeintlich problematische Buchungen bereits abgeschriebener Lagerbestände als Gewinn. Zur Erinnerung: Im dritten Quartal des vergangenen Jahres hatten die Kalifornier die Rekordsumme von 2,25 Milliarden Dollar in Form angeblich unverkäuflicher Komponenten bilanziell bereinigt. Der überwiegende Teil dieser Produkte werde ausgeschlachtet und zerstört, war von Chief Financial Officer Larry Carter seinerzeit bekräftigt worden. Doch schon in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres hatte Cisco rund 290 Millionen Dollar, die durch den Verkauf bereits abgeschriebener Router und Switches zu vermutlich ermäßigten Preisen eingenommen wurden, als außerordentliche Erträge verbucht. Eine zumindest fragwürdige Bilanzierungsmethode, wie es in Kreisen von US-Analysten heißt. (gh)

al_sting - Donnerstag, 13. März 2014 - 16:05
Ich frage mich immer, warum Cisco so billig ist. Hier findet sich vielleicht eine Ursache dafür: http://brontecapital.blogspot.de/2011/08/software-eats-part-of-world.html

al_sting - Sonntag, 23. März 2014 - 10:40
Ritterschlag für Huawei - und Tiefschlag für Cisco?
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/spiegel-nsa-spioniert-chinesische-staatsfuehrung-und-huawei-aus-a-960151.html

Huawei, der größte Konkurrenz von Cisco, wurde von der NSA tiefgreifend ausgespäht. Anscheinend hat die NSA selbst beim Blick in die Quellcodes keine Hinweise für chinesische Spähsoftware gefunden. Ansonsten hätte die amerikanische Regierung diese Erkenntnisse mit Sicherheit gegen Huawei verwendet - schon so werden ja Gerüchte gestreut, die Chinesen könnten unsicher sein.

Das könnte die Wettbewerbssituation für Cisco weiter erschweren.

EDIT: OK, die NSA scheint auch die Router von Huawei kompromittiert zu haben. Aber zumindest gibt es keine Hinweise für Sabotage von chinesischer Regierungsseite, wohl aber von amerikanischer. Für wen ist das wohl leichter zu beheben?
http://www.heise.de/tr/artikel/Huawei-und-der-Snowden-Effekt-2150081.html

levdul1 - Mittwoch, 16. Mai 2018 - 14:26
Ich habe heute nach vielen Jahren Treue schweren Herzens meine Cisco Systems verkauft. Dabei wird wohl ein üppiger Teil an Herrn Scholz abgehen, da in den Jahren fast 200 % Gewinn aufgelaufen sind.
Warum verkaufe ich gerade jetzt ?

Cisco war nicht überdurchschnittlich profitabel, war im Gegensatz dazu aber immer solide finanziert. In letzter Zeit sehe ich die gleiche Tendenz wir bei vielen US-amerikanischen Unternehmen: die Ertragskraft wird gesteigert, in dem das Eigenkapital gesenkt wird. Somit wird für 2019 für Cisco schon ein KBV von über 6 anvisiert.

Meines Erachtens ist dies nicht der richtige Weg. In Zeiten steigender Kapitalkosten ist eine solide Eigenkapitaldecke für mich ungemein wichtig. Firmen, welche mit 0 Eigenkapital eine hohe Ertragskraft erzielt haben, zeigen bereits deutliche Bremsspuren im Aktienkurs (Tabakkonzerne, Autoteilehändler, etc.). Bei hoher Hebelung lassen steigende Fremdkapitalkosten die Gesamtrendite recht schnell schrumpfen.

Bevor das bei Cisco auch passiert, trenne ich mich von einer meiner größten Positionen im Depot mit tränendem Auge.

prof - Mittwoch, 16. Mai 2018 - 20:34
Die größte Position mit 200% Gewinn verkauft, das ist ja prima!

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die steigenden Zinsen in den USA auf die Finanzierungskosten und somit auf die Unternehmensgewinne durchschlagen. Ich kann Deiner Argumentation folgen!

al_sting - Donnerstag, 17. Mai 2018 - 12:40
Glückwunsch zu Ausdauer und Erfolg!
Ich habe mich ja damals nach ausgiebiger Dikussion nicht herangewagt, rückblickend leider.
Deinen Ausstiegsgründen kann ich auch sehr gut folgen.

stw - Donnerstag, 17. Mai 2018 - 17:45
Ich denke das war eine weise Entscheidung. Cisco bekommt derzeit erhebliche Probleme von Arista Networks, die ziemlich schnell Marktanteile hinzugewinnen - zu Lasten von Cisco, die einfach nicht mehr die technologisch führenden Produkte haben für das Cloudzeitalter. Da geht jetzt Financial Engineering vor, Innovation wird zugekauft und i.d.R. niht mehr selbst entwickelt. Die werden noch viel Geld verdienen, aber m.E. hat das Unternehmen seinen Zenit überschritten.

:-) stw

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