Diskussionsforum der stw-boerse: Auslandswerte: Großbritannien
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prof - Sonntag, 24. Juni 2018 - 13:18
Ich hoffe, Du behältst recht ...

covacoro - Sonntag, 24. Juni 2018 - 18:32
So unglaublich es klingt, aber mit den Griechenland Hilfen wurden nicht nur die deutschen und französischen Banken "vor Schlimmerem" bewahrt, es wurde sogar ein Gewinn eingefahren, wie die Süddeutsche hier berichtet:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/griechenland-hilfe-deutschland-milliarden-gewinn-1.4025519

Zulasten der Bevölkerung in Griechenland, der Zerstörung der Wirtschaft, dem Verkauf des Tafelsilbers vor Ort wohlgemerkt.

prof - Sonntag, 24. Juni 2018 - 18:41
Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube die Schulden wurden bis zum St. Nimmerleinstag (2080 oder so) gestreckt...

al_sting - Sonntag, 24. Juni 2018 - 20:14
Ich finde die Formulierung "Gewinn" in diesem Zusammenhang ehrlich gesagt irgend etwas zwischen grob fahrlässig und schlicht dumm.
Einerseits ist das ein sehr voreiliges Urteil, andererseits sind die Risiken dabei nicht berücksichtigt.

Diese Kredite wurden an Griechenland nur vergeben, weil Griechenland sie (zu ähnlich attraktiven Konditionen) auf dem freien Markt nicht bekommen konnte, und ohne diese Kredite sofort zahlungsunfähig geworden wäre. Ob sie jemals bedient werden, ist sehr fraglich. Rein ökonomisch betrachtet kann man m.E. von Konkursverschleppung reden, wobei die Kreditgeber aus politisch für mich durchaus akzeptablen Gründen ein ökonomisch sehr hohes Risiko auf sich genommen haben. Der Marktwert der Kredite dürfte auch heute noch deutlich unter 100% liegen.
Erst falls und wenn die Kredite getilgt worden sind, werden wir wissen, ob die Kreditvergabe für die Kreditgeber unter dem Strich (und unter Einbeziehung der Inflation) verlustreich oder gar wertsteigernd war. Letzteres würde mich extrem überraschen.
Ich hielt und halte es im Kern für richtig, Griechenland Unterstützung zu gewähren, auch in Form dieser Kredite. Aber lasst uns ehrlich bleiben: Die Wahrscheinlichkeit einer auch für den Kreditgeber profitablen Unterstützung, wie es dieser und andere Medienberichte suggerieren, war und bleibt minimal.

Die von Prof angesprochene "Streckung bis zum Jahrnimmerleinstag" hat den Vorteil, dass effektiv jährlich nur die Differenz zwischen Zinseingang und Inflationsverlust abgeschrieben werden muss und damit die Höhe der ebenfalls von Prof nicht völlig zu Unrecht befürchteten "Nettozahlungen für die "Rettung" von Südeuropa + Frankreich" in diesem Fall schulterbar bleiben sollten - wobei ich mir eine Wiederholung bei größeren Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich schlicht nicht vorstellen kann.

Wer diese Art von "profitablen" Krediten mag, sollte sich auch für neu aufgelegte Kredite von Venezuela interessieren. Es könnte zu einzelnen "profitablen" Zinsausschüttungen kommen, aber die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung zum Ende der Laufzeit ist nicht übermäßig groß, so dass unter dem Strich heftige Verluste drohen.

In dem Sinne: Ich habe meine relativ optimistische Sichtweise auf die Entwicklung der Eurozone geschildert (und halte sie für das wesentlich wahrscheinlichere Szenario), und ich hoffe auch, Recht zu behalten. Aber ich gebe auch Profs deutlich pessimistischerem Szenario eine gewisse (kleine) Wahrscheinlichkeit.
Ich würde allerdings um nichts mit den Engländern wechseln wollen, denn dank des Brexit sehe ich dort eigentlich nur volkswirtschaftlich negative Szenarien, je mehr Brexit desto düsterer.

al_sting - Sonntag, 24. Juni 2018 - 20:26
Der Brexit steigert auch die Wahrscheinlichkeit einer Abspaltung Nordirlands vom Vereinigten Königreich und einer Vereinigung mit der Republik Irland: http://www.politico.eu/article/united-ireland-after-brexit-reunification-vote/

"Ireland’s Brexit dividend

Momentum is gathering on both sides of the border for the reunification of the island."

(Und von Schottland reden wir gar nicht erst...)

covacoro - Montag, 25. Juni 2018 - 22:56
Ich glaube ihr versteht das falsch.

a) Griechenland war pleite 2010. Dann wären Kredite und Staatsanleihen ausgefallen bzw. bekommen einen Haircut und große Teile müssen abgeschrieben werden (So kam es, wie wir wissen nicht).

b) Stattdessen: Griechenland bleibt nach außen hin "solvent", auch wenn das Geld dafür nur von der EZB/Steuerzahlern der EU-Zone kommt und sofort wieder aus dem Land rausfließt. Es kann auf die ausstehenden Staatsanleihen Zinsen zahlen, die eigentlich nach a) schon längst wertlos wären. Es kann Kredite bedienen etc.

c) Nun rechne deinen Anteil an EZB-Einschüssen in Rettungsfonds etc. minus dem Geld, was Du als Gläubiger der Griechen an Zinsen seit 2010 erhältst, weil der Zombie weitermachen darf. Ist der Wert negativ, darf man von einem Profit reden, denn Du hast ein gutes Geschäft gemacht. Selbst wenn nur eine Anleihe von Kurs 5% (=Default-Level) auf 50% steigt (und Du sie verklopfen kannst), hast Du ein Super-Geschäft gemacht. Selbst wenn dein Zuschuss/Einlage in den Rettungsfonds etc. futsch ist, was Du über die 8 Jahre erhalten hast, hast Du.

Umverteilung... so rechnet m.E. nach die Süddeutsche.

covacoro - Mittwoch, 27. Juni 2018 - 22:20
Sehr lesenswert:

https://www.bloomberg.com/news/features/2018-06-25/brexit-big-short-how-pollsters-helped-hedge-funds-beat-the-crash

Covacoro

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