Diskussionsforum der stw-boerse: Auslandswerte: Osteuropa
chinaman - Montag, 16. Oktober 2006 - 19:05
Handelsblatt Nr. 198 vom 13.10.06 Seite 34


Osteuropa zieht Kapital an

Moderne Finanzinvestoren setzen immer stärker auf die neuen EU-Mitgliedsländer

UDO RETTBERG | MÜNCHEN Immer mehr Kapitalanleger folgen dem "Trend der Zeit" und investieren ihr Geld in Zentral- und Osteuropa. Auch Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds sehen in dieser Region inzwischen eine riesige Chance. Für den agilen Unternehmer und Private-Equity-Investor Peter B. Záboji ist dies nicht überraschend. "Die Region weist ein wesentlich dynamischeres Wirtschaftswachstum auf und verspricht demgemäß höhere Erträge", sagt Záboji, der auch Professor am Insead-Institut in Fontainebleau bei Paris ist (siehe das Interview).

Zum Osteuropa-Fan ist auch Peter Derendinger, Vorstandsvorsitzender des schweizerischen Private-Equity-Unternehmens Alpha Associates, geworden. "Dort ist ein sehr interessantes unternehmerisches Marktumfeld entstanden", sagt Derendiger, der ebenso wie Záboji darauf hinweist, dass mit dem EU-Beitritt zahlreicher Staaten auch die bis vor kurzem noch existierenden Rechtsunsicherheiten weitgehend gewichen sind. Nicht zuletzt wegen des EU-Beitritts fänden Anleger in Mittel- und Osteuropa derzeit ein sehr interessantes Zeitfenster vor, sagt Derendinger. Er lobt die Aufbruchsstimmung und den positiven Geist, der in den großen Wirtschaftszentren der Region deutlich zu spüren sei.

Peter Záboji findet darüber hinaus noch zahlreiche andere Argumente, die für die Wachstumsregion Osteuropa sprechen. "Hier im Osten greifen die Manager von Unternehmen bei Problemen nicht nur völlig phantasielos zum fragwürdigen Mittel der Restrukturierung und Kündigung", sagt der ehemalige Vorstandschef von Tenovis, der inzwischen von der sonnigen Cote d'Azur nach Budapest umgezogen ist, um dort näher am Puls der osteuropäischen Wirtschaft zu sein.

Die zwei größten modernen Finanzinvestoren in dieser Region - nämlich die Fondsgesellschaften Mid Europa und Enterprise Investors - haben innerhalb kürzester Zeit auf Mittel- und Osteuropa fokussierte Fonds im Volumen von 650 Mill. Euro schließen können. "Die Produkte waren rasch mehrfach überzeichnet", sagt Záboji. der das als klares Votum für die hohen Investoren-Erwartungen sieht.

"Die neuen EU-Länder im Osten lassen Westeuropa alt aussehen." So zeichnet auch Frank A. Erhard, Vorstandschef der auf Alternativ-Investments wie Hedge-Fonds und Private Equity fokussierten schweizerischen Rising Star AG, ein positives Bild von der boomenden Region. Als wichtig betrachtet es Záboji, dass die Region auch territorial wachse. So gelten Bulgarien und Rumänien - die neuen Anwärter auf einen EU-Beitritt - bei Finanzinvestoren als besonders viel versprechend.

Hinsichtlich der interessantesten Wirtschaftszweige in Mittel- und Osteuropa sind sich die Experten einig: Zunächst habe man sehr viele Transaktionen im Mobilfunk und im Bereich Internet gesehen. In jüngster Zeit habe sich das Interesse auf den Pharmasektor fokussiert, wo es bereits einige spektakuläre Transaktionen gab.

Rettberg, Udo



13. Oktober 2006

chinaman - Donnerstag, 19. Oktober 2006 - 05:28
Handelsblatt Nr. 199 vom 16.10.06 Seite 28


Westliche Banken sind in Osteuropa zunehmend wählerisch

Raiffeisen-International will in der Region nun organisch wachsen und verbessert Ergebnisprognose

OLIVER STOCK | WIEN Die westeuropäischen Banken werden ihre Einkaufstour in Osteuropa bald beenden, glaubt der Chef der österreichischen Bankengruppe Raiffeisen International (RI), Herbert Stepic. So leite auch seine eigene Bank jetzt eine neue Strategie ein. "Wir werden vor allem organisch weiter wachsen", sagte Stepic dem Handelsblatt. Sein Institut ist nach der italienischen Unicredit und dem österreichischen Konkurrenten Erste Bank die Nummer drei unter jenen internationalen Kreditinstituten, die in Mittel- und Osteuropa vertreten sind. Das Gewicht liege künftig darauf, Abläufe zu verbessern, das Filialnetz auszubauen und mehr Produkte anzubieten, kündigte Stepic an.

Dazu gehöre für die Geldinstitute auch, sich mit dem Aufbau einer institutionellen Vermögensverwaltung und dem Angebot von Versicherungsprodukten zu beschäftigen. Bislang habe die größte Nachfrage nach Bankdienstleistungen bei der Finanzierung von Wohnungseigentum, Autos und Konsumgütern bestanden. "Es gibt hier noch immer einen großen Nachholbedarf", stellte Stepic fest.

Raiffeisen International war als Osteuropa-Tochter der Gruppe im vergangenen Jahr an die Wiener Börse gegangen, nachdem das Institut zuvor über Jahre durch seine aggressive Expansionsstrategie in Osteuropa jährlich mehr als 40 Prozent Wachstum erzielt hatte. Inzwischen verfügen die Österreicher über 68 Tochtergesellschaften in 16 osteuropäischen Ländern.

Florierende Geschäfte in Osteuropa tragen dazu bei, dass der Raiffeisen-Vorstand bei einem Investorentag in Kiew am vergangenen Freitag seine Prognose für den Konzernjahresüberschuss um 50 Mill. auf 550 Mill. Euro anhob. Darin noch nicht eingerechnet sind die Erlöse aus dem Verkauf der Raiffeisenbank Ukraine sowie einer Minderheitsbeteiligung in Kasachstan.

Typisches Merkmal für die in Osteuropa tätigen Banken ist ein niedriges Verhältnis zwischen Aufwand und Einkünften (Cost/Income-Ratio). Im Fall der RI liegt dieses Verhältnis bei 57,9 Prozent und damit bereits knapp unter der angepeilten Zielmarke von 58 Prozent.

Die zweite Phase der Expansion soll die Bilanz in einem etwas weniger rasanten Tempo weiter wachsen lassen: bis 2008 "mindestens um 20 Prozent jährlich", wie es auf dem Investorentag hieß. Im Jahr 2005 sind die Bilanzsummen der Banken Mittel- und Osteuropas im Jahr 2005 um 31 Prozent gewachsen, die RI übertrifft diesen Wert deutlich. Laut einer Studie der Raiffeisen-Bank wuchsen dabei die Kreditinstitute in der Ukraine mit einem Anstieg der Bilanzsumme um 91 Prozent besonders stark. Die Banken in Rumänien, Weißrussland und Russland schafften ebenfalls Werte von mehr als 50 Prozent. Die Institute in bereits besser entwickelten Ländern wie Ungarn wuchsen mit 15 Prozent schwächer als die in weiter östlich gelegenen Staaten.

Die Studie prognostiziert, dass die GUS-Staaten auf Euro-Basis bis zum Jahr 2010 durchschnittlich 25 Prozent pro Jahr wachsen werden, während die Länder Südosteuropas nur 16 Prozent und die Staaten Zentraleuropas 15 Prozent pro Jahr schaffen. Für Stepic heißt das, dass allenfalls der fernere Osten noch für Zukäufe in Frage kommt, wie etwa Kasachstan. Stepic hat sich dafür von den Aktionären vorsorglich eine Kapitalerhöhung genehmigen lassen.

Der RI-Chef warnt davor, dass sich der Transformationsprozess der osteuropäischen Länder verlangsamen könnte, wenn sich die aktuelle "EU-Müdigkeit" fortsetze. "Das ist wahnsinnig gefährlich." Bisher habe auch die Aussicht auf einen EU-Beitritt als Motor gedient. Stepic spielt darauf an, dass die Verfassungskrise der EU aber auch die Uneinigkeit über einen möglichen Türkei-Beitritt inzwischen die Diskussion über den Fortschritt bei der EU-Osterweiterung überlagert.

Sein Appell an eine neue Regierung in Österreich gleich welcher Couleur, die sich nach den Wahlen vor zwei Wochen nun bilden muss, lautet deswegen, bei der Osterweiterung wieder mehr Initiative zu zeigen. "Dass es Österreich so gut geht, ist nur der Ausrichtung nach Osteuropa zu verdanken", erinnert er. Seine eigenen Landsleute hält Stepic für "kompromissbereiter" als andere, wenn es um Verhandlungen mit Osteuropa geht. Nichts sei dort einfach, sagt er: "Sie kämpfen mit Stromausfällen, dunklen Gassen und 60 Stempeln, bevor Sie zum Zuge kommen."

Stock, Oliver



16. Oktober 2006

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