Diskussionsforum der stw-boerse: Auslandswerte: Baltikum
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al_sting - Mittwoch, 12. August 2015 - 10:21
Rückblick auf Grindeks, als Einleitung für eine weiterführende Diskussion. Im Mai 204 stellte ich hier Grindeks wie folgt vor:
"Stärken:
1. Hohe Wertschätzung durch Dibelius: 25.000 Aktien zu ca. 8€ = 200.000€ = ca. 5% seines Depots. Laut GB 2012 ist Grindeks die sechstgrößte Position seines Depots. („Die ersten sechs der genannten Aktienpositionen sind im Depot in besonders hohem Maße gewichtet und stellen in ihrer Summe rund 60 Prozent des realen Gesamtvermögens der Gesellschaft zum Bilanzstichtag dar.“)
2. Pharmaunternehmen mit sehr sicherem (In den letzten 10 Jahre wurden IMMER Gewinne erzielt) und profitablem Geschäft (Umsatzmargen im langjährigen Schnitt > 10%), gute Bilanz (79% Eigenkapital), neutrale NettoCash-Bilanz, langfristig solide wachsendem Umsatz (ca. 10% Wachstum per Anno in den letzten 10 Jahren)
3. Extrem attraktive Bewertung für so ein gutes Unternehmen: Auch bei 7,35€ gilt KGV ~ 5,4, KBV ~ 0,6, EV/OCV = 2,5 …
4. Handelbar an deutschen Regionalbörsen wie Frankfurt und Stuttgart: ISIN LV0000100659 , WKN 919812
5. Lettland ist ein stabiler Rechtsstaat, als Teil des Euroraumes ist die Währung auch stabil.

Schwächen und Risiken:
1. Keine Dividende in den letzten 10 Jahren, also sind auch zukünftig keine zu erwarten
2. Durch die klaren Eigentümerverhältnisse (Kirovs Lipmans und Anna Lipmane halten zusammen 50% der Aktien) --> kaum Übernahmefantasie
3. Aus 1+2 resultiert: Risiko einer Value Trap
4. Währungsrisiken, falls der Rubelraum gegenüber dem Euro stark abwertet.
5. Orientierung auf die alte SU: 80-85% des Umsatzes werden mit GUS-Staaten gemacht, darunter 2013 ca. 55% mit Russland und ca. 10% mit der Ukraine. Handelssanktionen bei Medikamenten würden das Unternehmen extrem belasten. Allerdings wende ich ein, dass einerseits Medikamente nur sehr Selten Teil von Sanktionen werden und andererseits Grindeks Fähigkeit, in den letzten 10 Jahren stets Gewinne zu schreiben, obwohl die Zeiten nicht immer leicht waren, für die Stabilität des Geschäfts und die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens spricht."

al_sting - Mittwoch, 12. August 2015 - 10:35
Kurze Einschätzung zu einzelnen Punkten:
zu Chancen 2.: Historische Bewertungen sind gefährlich, das Embargo mit Russland hat getroffen: In 2014 brach der Umsatz um 20% ein, statt Gewinn gab es eine rote Null. Für die nächsten Jahre baut Grindeks auf 100 Mio. Umsatz mit relevanten Profiten, die aber unter den Vorjahren liegen könnten.
zu Chancen 3.: Der Kurs gab deutlich nach, aber immer noch sind lettische Pharmaunternehmen sehr günstig bewertet.

Zu Risiken 1: Wider Erwarten gab es im letzten Jahr eine Dividende für Grindeks, sogar eine saftige! Ich halte es aber noch für eine Ausnahme.
Risiko 2: Hier verstärkte sich im Lauf der Zeit das Risiko einer Benachteiligung der Kleinaktionäre, daher habe ich meine anteilige Position halbiert.
Risiken 4 und 5: Haben stark zugeschlagen. Grindeks ist immer noch extrem stark auf die Länder der alten SU konzentriert.

Mein Fazit: Die Risiken waren real, und sie schlugen sich deutlich in Umsatz und Gewinn nieder.

Russische Sanktionen: Ich mache mir hingegen immer weniger Sorgen um die Sanktionen: Russlands Fähigkeiten, ausländische Produkte zu ersetzen, stellten sich als gering heraus. Daher wird jedes Embargo gegen Pharmazeutika unterlaufen werden, ob durch Schmuggel, Reimporte oder andere Tricks.

Russische Wirtschaftsschwäche:
Mehr Sorgen macht mir die Öl-Abhängigkeit des Hauptabsatzmarktes Russland, die zu einer soliden Depression führen kann.

Trotzdem bleiben Pharmaunternehmen zu diesem Preis attraktiv. Wenn Russland wieder auf die Beine kommt oder aber als Absatzmarkt an Bedeutung verloren hat, werden ganz andere Multiples als heute für diese Unternehmen gezahlt werden.

al_sting - Mittwoch, 12. August 2015 - 11:28
Hintergrund des Rückblicks: Es gibt neben Grindeks mit Olainfarm noch ein anderes, ähnlich großes lettisches Pharmaunternehmen mit ganz ähnlichem Profil, das mein Interesse geweckt hat.

Ähnlichkeiten:
- Gründung zu SU Zeiten (1972), bis heute Hauptabsatzmarkt in den Staaten der Ex-SU
- Umsatz ca. 100 Mio€
- Dominanter Hauptaktionär Valērijs Maligins, hält direkt und indirekt ca. 70% der Aktien
- Beide Werte sind aktuell attraktiv bewertet:
Olainfarm: KGV 7, EV/Ebdit 5, KBV ~1,3
Grindeks: KGV 7,5, EV/Ebdita 3,7, KBV ~ 0,5

Unterschiede zu Grindeks:
- Grindeks war Schwerpunkt von Dibelius, stärker als Olainfarm
- Anders als Grindeks hat Olainfarm das letzte Jahr gut gemeister: Umsatz +15%, Gewinn ca. + 1%, und die Werte für das HJ1/2015 sehen auch gut aus. Die Gründe für die bessere Entwicklung gerade in Russland habe ich aber noch nicht verstanden. Entsprechend legte der Kurs von Olainfarm im letzten Jahr zu, während Grindeks schrumpfte.
- Olainfarm hat sich mit der lettischen Apothekenkette „Latvijas aptieka“ ein kleines, aber von internationalen Märkten unabhängiges Zusatzstandbein aufgebaut, das auch stetig um Zukäufe erweitert wird. Die aktuell 58 Apotheken steht für mittlerweile 16% des Umsatzes (HJ1/15: 8,2 Mio€ von gesamt 51,5 Mio€) und sollten Schwankungen auf den Exportmärkten etwas abpuffern.
- Mit Silvanos gibt es auch eine kleine Pharmazietochter (3% des Umsatzes, 1,5 Mio€ in HJ1/15) für natürliche Wirkstoffe, die ebenfalls im Raum der Ex-SU vermarktet werden.

Im letzten Jahr hatte ich Grindeks aus zwei Gründen vorgezogen: Die hohe Gewichtung in Dibelius BiB sowie die günstigere Bewertung nach Kennzahlen.
Tja, Irrtum, Olainfarm entwickelte sich besser.

Jetzt denke ich daran, von Olainfarm eine ähnlich große Position wie vom (mittlerweile halbierten) Grindeks zu erwerben, da beide Unternehmen für Pharmaunternehmen nach wie vor sehr attraktiv bewertet sind.

levdul1 - Mittwoch, 12. August 2015 - 11:40
Ja, schade. Da ist dir die globale Politik in die Karre gefahren.

Russland und die Peripherieländer bleiben extrem attraktiv bewertet. Trotzdem für mich keine Investmentgelegenheit, so lange eine kriegerische Auseinandersetzung weiter in der Luft schwebt.

Magnit kann da eine Ausnahme sein, da: gegessen wird immer.

al_sting - Mittwoch, 12. August 2015 - 12:11
Bei Russland selber bleibt Magnit für mich ein Ausnahmefall. Lettische Pharmazeuten sind für mich aus drei Gründen interessant
- stabiler Rechtsstaat im Euroraum mit m.W. geringer Korruption
- Geheilt wird auch immer. :-)
Und Medikamente sind nicht sooo einfach ersetzbar. Zugegeben, auch an Medikamenten wird notfalls gespart.
- Im Westen gehören Pharmaunternehmen zu den stabilen Branchen mit geringen Schwankungen und entsprechend hohen Bewertungsmultiplikatoren. Da ist viel Luft nach oben.

Aber ganz klar, ich habe die Eskalation des Bürgerkriegs in der Ukraine ebenso wenig erwartet wie generell die Eskalation des Verhältnisses von Russland mit dem Westen.
Das hat mich ebenso erwischt wie die Ölpreiskrise bei DNO, Songa und Sevan.

al_sting - Mittwoch, 12. August 2015 - 12:39
Nachtrag: Mit einem möglichen Kauf von Olainfarm warte ich bis zum Monatsende.
Es steht ja noch ein limitierter Kaufantrag für Svenska Handelsbanken im Raum, und ich will ja max. einen Wert pro Monat aufnehmen. Falls das Limit für Svenska greift, kommt Olainfarm also frühestens im nächsten Monat. ;-)

al_sting - Donnerstag, 26. November 2015 - 12:57
Müssen in Lettland Insidertrades erst nach 6 Monaten bekanntgegeben werden oder ist hier was schiefgelaufen? http://globenewswire.com/news-release/2015/11/25/790331/0/en/Transactions-reported-by-AS-Grindeks-insider.html

al_sting - Donnerstag, 7. Januar 2016 - 14:09
Im August hatte ich die folgende Sicht auf Grindeks
"Bei Russland selber bleibt Magnit für mich ein Ausnahmefall. Lettische Pharmazeuten sind für mich aus drei Gründen interessant
- stabiler Rechtsstaat im Euroraum mit m.W. geringer Korruption
- Geheilt wird auch immer. :-)
Und Medikamente sind nicht sooo einfach ersetzbar. Zugegeben, auch an Medikamenten wird notfalls gespart.
- Im Westen gehören Pharmaunternehmen zu den stabilen Branchen mit geringen Schwankungen und entsprechend hohen Bewertungsmultiplikatoren. Da ist viel Luft nach oben."

Seitdem hat sich meine Einschätzung in einem Detail geändert. Russland ist in einer veritablen Wirtschaftskrise. Diese ist so intensiv, dass selbst der Discounter Magnit eine Kaufzurückhaltung spürt. Wenn schon an den billigsten Lebensmitteln gespart wird, dann wahrscheinlich auch an Medikamenten.
Dazu kommt der weitere Ausblick: Einerseits sind die Öl- und allgemeinen Rohstoffpreise niedrig, andererseits zeigt Putin in letzter Zeit immer stärker die Fähigkeit, schwierige Krisen bis zu Katastrophen zu eskalieren.
Während ich die Okkupation der Krim übel, aber clever hielt, empfand ich die Forcierung des Bürgerkriegs in der Urkaine schon übel und langfristig dumm, aber nicht völlig ohne Logik. Dass sich Putin jetzt aber auch mit seinem Buddy Erdogan hemmungslos verkracht, weil der ein Kriegsflugzeug abschloss, erscheint mir für die wirtschaftliche Entwicklung als bodenlos dumm.
Erst den Westen verprellt, dann die Türkei, dazu die sinkenden Öleinnahmen - der Wirtschaftsausblick für Russland und seine Vasallenstaaten wird nicht besser. Und die Ukraine ist eh stehend pleite, dieser für Grindeks wichtige Absatzmarkt könnte auch immer noch tiefer einbrechen.

Fazit: Ich habe mit Grindeks ein solides, aber anders als Magnit nicht grandioses Unternehmen in einer weitgehend krisenfesten Branche, aber mit sich immer weiter verschärfenden Rezessionen in den Hauptabsatzmärkten. Ich habe wenig Sorgen, dass Grindeks überlebt. Aber darüber hinaus: Keine Ahnung.
Da ist mir jetzt mehr Cash lieber, um es bei Bedarf bei großen Chancen einsetzen zu können (siehe Lauerstellung bei VW und AT&S)

Langer Rede kurzer Sinn: Verkauf von Grindeks mit Tränen in den Augen, zum Geldkurs der Börse Stuttgart = 4,903€.
--> 1.500 x 4,903€ = 7.354,50 €

Gesamtergebnis: Verlust von 3.023,00 € (nach Dividende) = -17,8% Rendite.

levdul1 - Samstag, 9. Januar 2016 - 19:23
Hier ein Artikel über das Baltikum in welchem auch Grindeks erwähnt wird.

http://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/Die-besten-Aktien-aus-dem-Baltikum-1000983714

al_sting - Mittwoch, 9. März 2016 - 22:30
Die tennisspielende Multimillionärin Marioa Scharapowa wurde dieser Tage wegen Dopings disqualifiziert. Das beanstandete Medikament "Meldonium" wird von Grindeks produziert:
http://www.forbes.com/sites/davidkroll/2016/03/08/maria-sharapova-was-prescribed-grindeks-meldonium-for-a-legitimate-medical-purpose/#5fd677be5d80

Dieser Skandal scheint dem Absatz von Meldonium nicht zu schaden, sondern ihn im Gegenteil noch zu befördern: http://www.t-online.de/sport/tennis/id_77210604/fall-marioa-scharapowa-loest-scheinbar-run-auf-meldonium-aus.html

al_sting - Samstag, 15. Juli 2017 - 00:44
Die "Beteiligungen im Baltikum" wurden bekanntlich vom Reich-Clan übernommen und ausgenommen. Zu diesem Reich-Clan gibt es jetzt eine Reportage der ARD http://multimedia.boerse.ard.de/reich-unterm-radar

plusminus - Samstag, 15. Juli 2017 - 01:50
Danke für den Hinweis! Nach langjährigem BiB-Investment bin ich damals noch mit einem blauen Auge davon gekommen und habe seither kaum mehr was gehört. Bin auf die Recherche gespannt!

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