Diskussionsforum der stw-boerse: Auslandswerte: Royal Dutch
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Archivierte Beiträge bis 4. Januar 2005 20    4.1. - 22:14

prof - Donnerstag, 20. Januar 2005 - 09:11
@stephan: Schäm dich was, du Spekulant auf dem Ölmarkt! Du bist mit daran schuld, dass unser Heizöl und unser Treibstoff immer teurer wird. Aber jetzt geht unsere Bundesregierung dagegen vor! Man sollte Besitzern von Ölzertifikaten oder Ölaktien eine Sondersteuer draufdrücken, die den armen Autofahrern zugute kommt!
;-) Prof

BERLIN (Dow Jones-VWD)--Die Bundesregierung hat eine Initiative zur Senkung der hohen Ölpreise angekündigt und will gegen Spekulanten auf den Ölmärkten vorgehen. "Die Bundesregierung setzt sich für sinkende Ölpreise ein. Sie will die Transparenz der Ölmärkte erhöhen und auf diese Weise das Spekulationspotential reduzieren", sagte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Bernd Pfaffenbach, der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe). Laut Pfaffenbach, der auch Beauftragter der Regierung zur Vorbereitung der G-8-Gipfel ist, sind 80% des Weltölhandels reine Spekulation, die durch Unsicherheiten auf den Märkten genährt werde.

Pfaffenbach betonte: "Wir wollen, dass sich die wichtigsten Öl-Verbraucherländer mit den wichtigsten Erzeugerländern zusammenschließen und gemeinsam mit der Internationalen Energieagentur in Paris eine Datenbank entwickeln, die Auskunft über Warenströme, Öllagerbestände und Ölreserven gibt." Nach Angaben des Staatssekretärs werden sich die G-8-Staaten demnächst mit diesem Thema befassen.
(ENDE) Dow Jones Newswires/20.1.2005/ddp/apo


http://www.vwd.de/vwd/news.htm?id=23448291&navi=news&sektion=branchen&r=0&awert=

mib - Donnerstag, 20. Januar 2005 - 12:49
Ich kenne persoenlich jemanden aus der Branche, der der Bundesregierung schon seit 2 Jahren immer wieder sagt, dass der Oelpreis nicht durch Manipulation hoch ist sondern durch Transport- und Produktionsprobleme und der immer wieder auf den notwendigen erneuten Einsatz der Kernenergie hinweist.
Lasst euch von dem dummen Politikergequatsche nicht einlullen!
In 5 Jahren ist Oel bei 100$, wenn es keine Weltwirtschaftskrise gibt. Dann schreien zwar wieder alle "Manipulation", aber was rar ist, ist eben auch teuer!

Mib

chinaman - Donnerstag, 20. Januar 2005 - 13:29
"Lasst euch von dem dummen Politikergequatsche nicht einlullen! "

Völlig korrekt ! Und macht Euch vor allem immer wieder klar, welcher Anteil des Preises an unseren raffgierigen Steuerstaat wandert ...


Chinaman

prof - Donnerstag, 20. Januar 2005 - 13:45
Der Staat hat ein natürliches Interesse an einem niedrigen Rohölpreis, weil die Leute dann mehr Ölprodukte kaufen und somit mehr Steuer im Staatssäckel landet!
Prof

stw - Dienstag, 1. Februar 2005 - 16:48
Auch wenn ich mib nur noch ein Kopfschütteln abringen kann: mit meinen Royal Dutch bin ich antizyklisch bisher gut gefahren. Schlechte Nachrichten wie eine erneute Korrektur der Reserven scheinen im Kurs enthalten zu sein.

@prof: nun springen bald die Charties auf, oder ?

:-) stw


Hoher Ölpreis treibt 2004 Gewinn von Royal Dutch/Shell

AMSTERDAM (Dow Jones-VWD)--Die Royal Dutch Shell plc, Amsterdam, wird
nach Einschätzung von Analysten dank des hohen Ölpreises für 2004 einen
Anstieg beim Nettoergebnis um 41% auf 17,91 (12,7) Mrd USD ausweisen. Zudem
dürfte das Unternehmen den Aktionären am Donnerstag eine Dividendenerhöhung
für 2004 um 2% auf 1,04 EUR ankündigen, schätzen die Analysten von Lehman
Brothers.

Der Ölkonzern hatte Ende Oktober vergangenen Jahres angekündigt, die
beiden Unternehmensteile Royal Dutch/Shell und Shell Transport & Trading
zusammenzuführen. Mit der Verschmelzung leitet der Konzern eine
Restrukturierung ein. Mit der Zusammenführung der beiden Unternehmensteile
wird sich die Gewichtung der gesamten Gruppe im FTSE-Index mehr als
verdoppeln. Dieser "Index-Effekt" dürfte das Momentum der Aktie
aufrechterhalten, heißt es weiter von Lehman Brothers.

Das Bankhaus hat jedoch Bedenken bei den fundamentalen Kennziffern des
Ölkonzerns wie etwa der "Reserve Replacement Ratio" (RRR). Dies bezeichnet
bei Ölunternehmen die Rate, mit der alte Reserven durch neue ersetzt werden.
Diese Kennziffer muss bei über 100 liegen, damit nicht mehr Öl gefördert als
neu entdeckt wird. Royal Dutch/Shell will bei der Veröffentlichung des
Jahresergebnis die Anleger über den neuesten Stand der gesicherten
Ölreserven informieren.

Nach einem Bericht in der Tageszeitung "The Observer" vom Januar muss der
Konzern die Angaben zu den Reserven möglicherweise nochmals nach unten
revidieren. Die Zeitung spricht von einem Revisionsbedarf um weitere 500 Mio
Barrel, nachdem im Vorjahr die Angaben bereits um rund 4,5 Mio Barrel
gesenkt worden waren.

Die US-Finanzaufsicht SEC und ihr britisches Pendant FSA hatten in der
Vergangenenheit zu hoch angesetzte Reserveschätzungen bei Shell moniert.
Draufhin hatte der Konzern die Reserve-Prognose gesenkt und im August 2004
einer Strafzahlung an die jeweiligen Finanzaufsichten zugestimmt. Die
geschätzten Reserven haben Einfluss auf die Berechnungen des Discounted Cash
Flow (DCF) und die Bilanzen. Diese Auswirkungen will Shell ebenfalls zur
Ergebnisvorlage mitteilen.

Shell will die Reserve für die Jahre 2004 bis 2008 nach eigenen Angaben
einhundertprozentig den Anforderungen der SEC entsprechend bewerten. Lehman
Brothers bewertet die Aktie mit "Underweight", die Einstufung von Goldman
Sachs lautet "In Line".

prof - Dienstag, 1. Februar 2005 - 19:05
Ich kümmere mich nicht mehr um DAX bzw. Eurostoxx-Werte. Habe mir damit nur blutige Nasen geholt. Wahrscheinlich sind die Instis zu schwach, um eine Aktie bei gutem Wind auch mal sehr lange zu halten. Das machen die meisten Privatanleger besser!
Prof

stw - Mittwoch, 2. Februar 2005 - 09:02
Die Instis achten mehr auf die Fundamnetals würde ich sagen. Und die Privaten gucken meist nur auf die Charts. Das könnte wirklich eine Erklärung dafür sein, dass Du mit Nebenwerten einen solchen Erfolg hast.

:-) stw

mib - Mittwoch, 2. Februar 2005 - 12:19
zu Royal Dutch:

es kommt drauf an, was man will... es gibt in der Branche ei paar Titel, die natuerlich spekulativ sind, aber die dafuer auch Ver10facher werden koennen...
wenn du Sicherheit willst, dann ist ein 50%RoyalDutchShell & 30%EnCana & 20%Transglobe Mix bestimmt das Richtige... aber ich persoenlich wuerde immer auch zumindest eine kleine spekulative Position dazumischen... BPR.V und DBLE sehen gut aus, TMXN.OB (sogar in Frankfurt liquide) und auch EGSRE.OB sollten okay sein... ich selber bin mit meinem Kauf von BPR.V zu CAN$1.99 und PAR.OL zu NOK39 bislang sehr gut gefahren... und wer allgemein auf Rohstoffe setzen will, sich aber in der Branche nicht auskennt, der sollte EDV.TO kaufen... IMHO!

Gruss - Mib

stephan - Freitag, 10. Juni 2005 - 15:25
Ich habe dem Umtausch der Royal Dutch Aktien in Royal Dutch Class A Shares zugestimmt - Die Unternehmen Shell und Royal Dutch werden nach Abschluß der Transaktion in den nächsten Monaten nur noch über eine Aktie börsennotiert sein.

stephan - Samstag, 30. Juli 2005 - 14:27
Es ist soweit Royal Dutch heisst jetzt Royal Dutch Shell. Für eine alte gab es zwei neue Aktien - Einstiegskurs und Aktienzahl sind dementsprechend angepasst.

chinaman - Mittwoch, 20. September 2006 - 05:24
Handelsblatt Nr. 181 vom 19.09.06 Seite 12


Moskau entzieht Shell Bohrgenehmigung auf Sachalin

Politische Hintergründe vermutet - Gazprom will in das Projekt einsteigen

MOSKAU.Ausländische Ölkonzerne haben zunehmend Probleme in Russland: Gestern etwa hat das Ministerium für Ressourcen dem Ölmulti Royal Dutch Shell eine wichtige Umweltlizenz für die Erschließung des Öl- und Gasprojekts Sachalin-2 entzogen - eine der größten ausländischen Investitionen in Russland. Damit steht das Projekt kurz vor dem Aus. Auch dem US-Ölmulti Exxon-Mobil, der ebenfalls ein großes Förderprojekt auf Sachalin betreibt, hatte das Ministerium eine Genehmigung entzogen.

Shell war in den vergangenen Monaten in Russland wegen mutmaßlicher Umweltbelastungen in Rechtfertigungszwang geraten. Verschiedene Umweltbehörden führen ins Feld, dass Pipeline-Bau, Wasserverbrauch und Rodungen das Ökosystem der im äußersten Nordosten gelegenen Insel gefährden.

Sachalin-2 ist mit einem Investitionsvolumen von umgerechnet 15,6 Mrd. Euro eines der weltweit größten Öl- und Gasförderprojekte. Angeführt wird das Betreiberkonsortium unter dem Dach von Sachalin Energy von Shell. Das Unternehmen hält hieran 55 Prozent. Ebenfalls beteiligt haben sich die japanischen Unternehmen Mitsui und Mitsubishi. Sachalin Energy wollte die Entscheidung des Ministeriums nicht kommentieren.

Auch der britische Ölkonzern BP dürfte unter Feuer geraten. Die russische Wirtschaftszeitung Wedomosti schreibt, dass der staatlich kontrollierte Gasmonopolist Gazprom Gespräche mit den russischen Anteilseignern von TNK-BP begonnen hat, dem Milliarden Dollar schweren Gemeinschaftsunternehmen, das BP 2003 mit knapp hälftiger Beteiligung aufgebaut hat. Ziel sei es, deren Aktienpakete zu übernehmen. Das Unternehmen wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Sowohl die Projekte auf Sachalin wie auch das BP-Gemeinschaftsunternehmen reichen in die neunziger Jahre zurück, in denen es Russland aus finanziellen Gründen schwer fiel, die eigenen Rohstoffe zu entwickeln. Seit der faktischen Verstaatlichung des einst größten russischen Ölkonzerns Yukos und befeuert von den Rekordhöhen des Ölpreises weitet der Kreml aber jetzt den Staatseinfluss auf Rohstoffvorkommen massiv aus. So sollen die größten Öl-, Gas- und Metall-Lagerstätten nur von mehrheitlich russischen Unternehmen ausgebeutet werden können.

Das Shell-Projekt auf Sachalin ist aber ein so genanntes Produktion Sharing Agreement, ohne russische Beteiligung. Das Vertragswerk räumt dem Konsortium zudem den Export des dort erschlossenen Gases ein - ein Umstand, an dem sich der Gasmonpolist Gazprom reibt.

Ob der Kreml die Erschließung auf Sachalin tatsächlich stoppen will, bezweifeln Beobachter in Moskau. Sie vermuten, dass es lediglich darum geht, gute Konditionen für den Einstieg von Gazprom auszuhandeln. Der Konzern spricht mit Shell auch über einen Einstieg von Shell in das gewaltige Eismeer Gasvorkommen Schtokman. tom

tom



19. September 2006

chinaman - Samstag, 23. September 2006 - 08:51
Handelsblatt Nr. 182 vom 20.09.06 Seite 1


Streit zwischen Shell und Russland eskaliert

BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Der Konflikt zwischen Russland und Shell um das Öl- und Gasprojekt Sachalin 2 weitet sich zu einer politischen Krise aus. Die EU-Kommission warf Moskau gestern vor, Investitionen westlicher Energiekonzerne zu gefährden. Der voraussichtliche neue japanische Regierungschef Shinzo Abe warnte, Russlands Verhalten könne das Verhältnis zu Japan belasten. An der Ausbeutung des Öl- und Gasfeldes vor der fernöstlichen Insel Sachalin sind neben Shell die japanischen Konzerne Mitsui und Mitsubishi beteiligt.

Russland hatte am Montag dem Sachalin-Konsortium die umweltrechtliche Genehmigung entzogen und damit das 15,6 Mrd. Euro teure Projekt gestoppt. Gestern kündigten die russischen Umweltbehörden zudem eine Strafanzeige gegen das Konsortium wegen Umweltzerstörung an. Dadurch gerät vor allem Shell in Bedrängnis. Sachalin 2 ist die größte Investition des Konzerns seit gut einem Jahrzehnt. Das Produktionsabkommen mit Russland wurde 1994 geschlossen, die Anlagen sind zu 75 Prozent fertig gestellt.

EU-Energiekommissar Andris Piebalgs forderte die russischen Behörden auf, ihre Umweltbedenken darzulegen und Shell eine angemessene Frist zur Abhilfe einzuräumen. Moskau wirft Shell vor, beim Pipelinebau gegen Umweltgesetze verstoßen zu haben. Der britisch-niederländische Konzern weist dies zurück. Experten sehen die Vorwürfe als Versuch, den staatlichen Gasmonopolisten Gazprom noch in das Projekt zu drücken. Die Konflikte mit dem Energielieferanten Russland werden im Zentrum des EU-Gipfels am 20. Oktober im finnischen Lahti stehen, zu dem Präsident Wladimir Putin als Gast geladen ist. huh/iw BERICHT SEITE 6

iw
huh



20. September 2006

chinaman - Mittwoch, 11. Oktober 2006 - 04:40
Handelsblatt Nr. 192 vom 05.10.06 Seite 16


Kreml setzt Shell bei Kosten für Sachalin die Pistole auf die Brust

Eni-Chef rechnet nicht mehr mit Gazprom-Vertrag im Oktober

THOMAS WIEDE | MOSKAU Russland hat den Druck auf den Ölkonzern Shell weiter erhöht: Sowohl Wirtschaftsminister German Gref als auch der Präsidentenberater Arkadi Dworkowitsch machten gestern klar, dass die Regierung nicht gewillt sei, ihr Plazet zu den Mehrausgaben von zehn Mrd. Dollar für das Projekt auf Sachalin zu geben. Das Shell-Konsortium beziffert die Kosten für Sachalin II auf rund 20 Mrd. Dollar. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax bezeichnete Gref das Gesuch des Konsortiums als "abwegig". "Es ist klar, dass Russland dies niemals akzeptieren wird", sagte auch Putin-Berater Dworkowitsch.

Die russische Regierung hat bei dem Projekt ein Vetorecht: Nach den vertraglichen Bedingungen des so genannten "production sharing agreement" (PSA), die für Sachalin gelten, bekommt der russische Staat erst dann einen Anteil am Ertrag, wenn das Konsortium seine Kosten wieder eingenommen hat.

Grundsätzlich hat die Regierung noch bis zum Jahresende Zeit, Stellung zur Frage der Kosten zu beziehen. "Es ist aber klar, dass der Kreml die Kostenfrage nutzen will, um die Konditionen des alten Vertrages zu verändern", sagt Christopher Weafer, Chef-Stratege der Alfa-Bank.

Weafer rechnet damit, dass der staatlich kontrollierte Energiekonzern Gazprom auf diese Weise ein größeres Stück des Projekts erhalten soll. Bisher hat der russische Staat keinen Anteil an Sachalin II, stuft das Projekt aber als strategisch bedeutend ein, weil dort die bisher einzigen Kapazitäten für den Export von verflüssigtem Gas (LNG) in Russland aufgebaut werden.

Sachalin II sei im Kreml so bedeutend, dass die Verantwortlichen sogar bereit wären, das Vorhaben einzufrieren, nur um ihre Bedingungen durchzusetzen, glaubt Weafer. Russlands Führung hat die Linie inzwischen klar gezogen: Ohne staatliche Mehrheitsbeteiligung soll es in Russland keine strategisch wichtigen Öl- und Gasprojekte mehr geben.

Shell wie auch andere ausländische Investoren im Öl- und Gassektor, müssen nun wegen angeblicher Verstöße gegen russische Umweltgesetze um Lizenzen fürchten. Die russische Regierung hat in den vergangenen Wochen aber vor allem Sachalin ins Visier genommen. Ende Oktober soll nach einer erneuten Umweltprüfung die Entscheidung fallen, ob das Projekt fortgeführt wird.

Die Auseinandersetzung um Sachalin wirkt sich inzwischen auch auf andere Vorhaben ausländischer Konzerne aus. Auf einer Anhörung vor dem italienischen Parlament sagte der Chef des italienischen Ölkonzerns Eni, Paolo Scaroni gestern, dass es sehr wahrscheinlich nicht zu der für Mitte Oktober geplanten weitreichenden Vereinbarung mit Gazprom kommen werde. "Wir werden nicht in die Förderung in Russland einsteigen, um dann vor Problemen zu stehen", sagte der Eni-Chef mit Blick auf die Schwierigkeiten der anderen internationalen Ölmultis.

Eni und Gazprom schmieden seit über einem Jahr an einer Vereinbarung, die dem italienischen Konzern Zugang zu russischen Öl- und Gas-Ressourcen einräumt und Gazprom die Möglichkeit bietet, in den westeuropäischen Energiesektor - vor allem in Verarbeitung und Verkauf - zu investieren. Die Partner hatten angekündigt, das Geschäft am 15. Oktober besiegeln zu wollen. Die Verhandlungen dürften nun noch etwas länger dauern, sagte Scaroni.

Wiede, Thomas



05. Oktober 2006

chinaman - Mittwoch, 25. Oktober 2006 - 05:32
Handelsblatt Nr. 205 vom 24.10.06 Seite 25


Shell baut auf Ölsand und bietet 5,4 Milliarden Euro für Tochterfirma

Konzern will Minderheitsaktionäre bei kanadischem Ableger auskaufen

SÖNKE IWERSEN | DÜSSELDORF Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell will die Ausbeutung der Ölsände in Kanada künftig komplett in Eigenregie durchführen. Derzeit hält Shell 78 Prozent an seiner kanadischen Tochter Shell Canada Limited. Nun will das Unternehmen die restlichen 22 Prozent für 5,4 Mrd. Euro von den übrigen Aktionären kaufen. Dies entspricht einem Aktienkurs von 40 Dollar und damit einem Aufschlag von 22 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag.

"Wir wollen eine Firma, eine Strategie, und einfache Entscheidungsprozesse", sagt der Shell-Chef Jeroen van der Veer. "Wir glauben, dass die Erschließung der kanadischen Reserven der wirtschaftlichen Mittel und finanziellen Möglichkeiten eines großen Industriekonzerns wie Royal Dutch Shell bedarf."

Shell verfolgt seit einigen Jahren die Strategie, auf unkonventionelle Energiequellen zu setzen. Ölsand galt lange Zeit als wirtschaftlich nicht nutzbar. Das hat sich mit dem steigenden Ölpreis geändert. 2003 wurden die Ölsandvorkommen offiziell in die Reservestatistik aufgenommen und katapultierten Kanada vom 21. auf den zweiten Platz in der Rangliste der Erdöl fördernden Länder. Aktuell werden die Reserven Kanadas auf 179 Mrd. Barrel geschätzt. Mehr hat nur Saudi-Arabien.

Noch sind die Fördermengen bescheiden. 2005 wies Shell mit Ölsand eine Tagesproduktion von 160 000 Barrel aus. Zum Vergleich: das größte US-Ölfeld, Prudhoe Bay in Alaska, hat eine Tageskapazität von 400 000 Barrel. Konzernweit fördert Shell jeden Tag 3,5 Mill. Barrel pro Tag. Shell will den Anteil des Ölsandes an der Gesamtfördermenge bis 2015 auf täglich 500 000 Barrel ausbauen.

Analysten halten die Entscheidung von Shell das Kanadageschäft ganz in eigene Hände zu nehmen, für sinnvoll. "Das erleichtert vieles, und man muss nicht für jede große Entscheidung eine Eigentümerversammlung einberufen", sagt Andy Sommer von der HSH Nordbank. Alle westlichen Ölkonzerne sehen sich mit der Schwierigkeit konfrontiert, dass rund 80 Prozent der Erdölvorräte in Ländern liegen, in denen die Ölausbeutung staatlich organisiert ist. Privatkonzerne werden hier oft nicht zugelassen. Um die Reserven, die noch zu haben sind, ist der Wettbewerb in den letzten Jahren erheblich gestiegen. "Das liegt vor allem an China", sagt Sommer. "Die Chinesen begnügen sich nicht mehr mit ihrem eigenen Land, sondern suchen den Globus gezielt ab. Vor zwei Jahren hätte ich noch gesagt, der Preis, den Shell jetzt zahlt, ist extrem hoch. Jetzt würde ich sagen: Er ist angemessen."

Kanadas Ölsände gelten auch deshalb als attraktiv, weil das Land sehr investitionssicher ist. Aufstände von unterdrückten Minderheiten, bewaffnete Konflikte oder staatliche Willkür sind anders als in vielen anderen erdölreichen Gebieten auf der Erde nicht zu befürchten. Außerdem liegt Kanada gleich neben den USA, dem größten Ölverbraucher der Welt - logistisch eine Traumlage.

Gegen Kanada sprechen die Kosten. Der Verband der kanadischen Erdölförderer gibt die Förderkosten für Ölsand mit 16 Dollar pro Barrel an, intern berechnet Shell Projekte mit bis zu 25 Dollar pro Barrel. Zum Vergleich: Analysten schätzen die Förderkosten in Saudi-Arabien auf zwei bis fünf Dollar, in Alaska auf 15 Dollar pro Barrel. Angesichts der fast 80 Dollar die 2006 schon für ein Barrel gezahlt wurden, gilt jedoch die Ölsandausbeutung auch langfristig als ökonomisch sinnvoll.

Umweltschützer dagegen warnen davor, Ölsand als Heilsbringer zu sehen. Die Ölsände bestehen aus Bitumen (Erdpech) und Sand. Um die beiden Stoffe voneinander zu trennen, ist ein hoher Energieaufwand nötig. Die Kohlendioxid-Emissionen sind dreimal so hoch wie bei der Erdölförderung. Damit gerät Kanada schon heute mit dem Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz in Konflikt.

Iwersen, Sönke



24. Oktober 2006

chinaman - Dienstag, 13. Dezember 2011 - 13:20
Ich nehme Royal Dutch Shell auf meine Watchlist. Bei einem der nächsten (heftigeren) Downer hat der Wert gute Chancen, meine Abteilung solide Blue Chips als Sachwerte zu verstärken. Ein Ölwert macht sich dort ganz gut und aktuell ist Royal Dutch Shell mein Favoit unter den Öl Blue Chips.

al_sting - Mittwoch, 2. Mai 2018 - 09:28
Kauf Royal Dutch A, 550 Stück, nächster Kurs Xetra

Eher konservative Wette auf eine Ölpreisstabilisierung über 70$ aufgrund einer Angebotsverknappung, Idee angeregt von woodpecker.

prof - Mittwoch, 2. Mai 2018 - 18:42
Dieses Blue Chip im Ölsektor schaue ich mir auch gelegentlich an. Es könnte meiner Depotdiversifikation nach Branchen und Regionen dienen.

Viel Erfolg!

al_sting - Mittwoch, 2. Mai 2018 - 19:05
Branchendiversifikation: Ja, definitiv
Regionaldiversifikation: Meines Erachtens eher nein. Shell ist ein Global Player, da sollte der Heimatsitz relativ egal sein.

al_sting - Mittwoch, 2. Mai 2018 - 19:16
Nächster Handel 9:39, Kurs 28,895€

--> 550 x 28,895€ = 15.892,25€

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